EVP-Spitzenkandidat Juncker ist von Berlusconi „angewidert“. Karas nennt seinen Parteifreund einen „Politiker von vorgestern“.
Wien/Brüssel/Berlin. In der Europäischen Volkspartei (EVP) herrscht knapp vier Wochen vor der EU-Wahl Ende Mai dicke Luft. Nachdem Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz kritisiert und dabei erklärt hatte, die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt, erhebt sich nun ein Sturm der Entrüstung. Schulz' Gegner bei der EVP, Jean-Claude Juncker, griff Berlusconi scharf an. „Die jüngsten Bemerkungen von Berlusconi haben mich angewidert“, erklärte der frühere luxemburgische Regierungschef am gestrigen Montag in Brüssel über seinen Parteifreund. Berlusconis Forza Italia ist Mitglied der EVP.
Auch Othmar Karas, Spitzenkandidat der ÖVP, distanzierte sich von den Äußerungen des Italieners: „Die Entgleisungen sind inakzeptabel. Sie verletzen die gemeinsamen Werte der EVP und der EU. Wer glaubt, mit dem Holocaust und den Vernichtungslagern Wahlkampf machen zu müssen, ist ein Politiker von vorgestern“, erklärte Karas.
Kein Kommentar Merkels
Die deutsche Kanzlerin, Angela Merkel (CDU), wollte auf die Vorwürfe Berlusconis nicht näher eingehen. „Die Behauptungen, die da aufgestellt wurden, sind so absurd, dass die Bundesregierung sie nicht kommentiert“, so Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch die Wahlplakate der Forza Italia mit dem Slogan „Piu Italia, meno Germania“ (mehr Italien, weniger Deutschland) wollte Seibert nicht kommentieren. (APA/red.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2014)