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Heftige Debatte über das Kunsthaus Graz

(c) APA (MARKUS LEODOLTER)
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Bürgermeister Siegfried Nagl meint, dass das Kunsthaus mehr Publikum anlocken sollte - und will es aus dem Universalmuseum Joanneum lösen. Dessen Intendant Peter Pakesch wehrt sich.

„Wir sollten das Kunsthaus nicht länger dem Universalmuseum Joanneum überlassen“: Mit dieser für einen Politiker ungewöhnlich direkten Aussage in der „Kleinen Zeitung“ hat der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) die Kulturpolitik in seiner Stadt aufgewühlt. Er hat damit vor allem Peter Pakesch angegriffen, der seit 2003 Intendant und künstlerischer Leiter des Universalmuseums Joanneum ist. Dieses, 1811 von Erzherzog Johann gegründet, ist ein beeindruckender Komplex, der sich durchaus mit dem Wiener Kunsthistorischen Museum vergleichen lässt: Dazu gehören u.a. die Alte Galerie im Schloss Eggenberg, das Jagdmuseum in Stainz, die Neue Galerie Graz, das Volkskundemuseum, diverse naturkundliche Sammlungen...

Und, seit 2003, das Kunsthaus Graz, das 2003 errichtet wurde, als Graz europäische Kulturhauptstadt war: Mit seiner ungewöhnlichen Form, die manche an eine Krake, andere an einen Alien erinnert, prägt es das Stadtbild, kaum ein Tourist, der es nicht fotografiert. Von außen. Denn die Besucherzahlen sind nicht so aufsehenerregend wie die Architektur. 2013 kamen ca. 63.000 Besucher, die Kunsthalle Wien hat etwa dreimal so viel. Der Vergleich sei nicht fair, erklärt Pakesch im Gespräch mit der „Presse“: „In einer Stadt wie Graz sind höhere Besucherzahlen schwer zu erreichen. Wir haben ein völlig anderes Tourismusprofil als Wien.“

Dem Bürgermeister Nagl jedenfalls ist die Auslastung zu gering: Er fordert „neue Impulse und viel mehr Bewegung und Besucher“. Er schlägt vor, dass die Stadt das Kunsthaus übernimmt. Eine seiner Ideen: „Wir könnten die Programmierung jeweils für ein oder zwei Jahre ausschreiben.“ Der „steirische herbst“ könnte das Haus bespielen. Aber auch Konzerne könnten, sagt er in der „Kleinen Zeitung“, Konzepte vorlegen: Tatsächlich gab es in Graz Überlegungen, die Türen des Kunsthauses für die Firma Red Bull zu öffnen.

 

„Etwas strengeres Programm“

Pakesch ist naturgemäß entsetzt über Nagls Vorstoß: „Kulturpolitische Themen auf diese Weise über Medien abzuhandeln, halte ich für gefährlich.“ Ist es nicht naheliegend, das Quasi-Monopol in der Grazer Museumslandschaft in Frage zu stellen? „Man kann über alles reden. Aber es geht um die Form. Hier wird aus heiterem Himmel Porzellan zerschlagen.“ Er vermutet, dass Nagl, „den ich nicht sehr oft im Kunsthaus gesehen habe“, sich in der ÖVP vor den nächsten Landtagswahlen (2015) profilieren wolle. Das Kunsthaus sei jedenfalls „so stark im Joanneum integriert, dass eine Herauslösung diesem großen Schaden bringen würde“.

Sein „etwas strengeres Programm“ – das auf populäre Themenausstellungen, wie sie etwa die Kunsthalle Wien oft gebracht hat, weitgehend verzichtet – verteidigt Pakesch: „Dass für das konservative Grazer Bürgertum das Kunsthaus nicht immer ganz vorne steht, ist klar; das ist halt das Problem einer kleineren Stadt.“ Das Massenpublikum, das mit Namen wie Andy Warhol zu locken sei, komme eben nur zu solchen populären Ausstellungen. Für höhere Besucherzahlen brauche man auch mehr Ausstellungsbudget als die 700.000 Euro im Jahr. Immerhin, so Pakesch, „geben sich bei uns die Wiener Akademieklassen die Tür in die Hand“. Wichtig sei ihm auch die Arbeit mit den Schulen.

Auf dem „Museumsblog“ des Joanneums zeigen sich indessen etliche Repräsentanten der Kunstszene solidarisch mit Pakesch. Karola Kraus, Direktorin des Wiener Museums Moderner Kunst, etwa nennt ihn einen „Garanten für die internationale Anbindung der heimischen und insbesondere der Grazer Szene“. Fotografin Elfie Semotan warnt davor, dass das Haus „plötzlich einer populistischen Eventkultur geopfert würde“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2014)