Nahost-Experte

„Tagesschau“-Moderator Constantin Schreiber will sich nicht mehr zum Islam äußern

Constantin Schreiber bei einer Fernsehdebatte im Mai. Unter Kollegen spüre er „eine Vorsicht, wenn es um polarisierende Debatten geht“, sagt er nun.
Constantin Schreiber bei einer Fernsehdebatte im Mai. Unter Kollegen spüre er „eine Vorsicht, wenn es um polarisierende Debatten geht“, sagt er nun. Imago / Star-media
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Der Experte für den Nahen Osten und die islamische Welt bekam bei einer Buchlesung von Aktivisten eine Torte ins Gesicht. Nun will er sich „zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern“.

Der deutsche Journalist Constantin Schreiber gilt als ausgewiesener Experte für den Nahen Osten und die islamische Welt, er schrieb Bücher wie „Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“, moderierte – in fließendem Arabisch – „Marhaba. Ankommen in Deutschland“, für das er einen Grimme-Preis bekam, gestaltet für einen ägyptischen Sender eine Wissenssendung und moderiert die wichtigste deutsche Nachrichtensendung, die „Tagesschau“. Seit kurzem lehnt der 44-Jährige aber alle Anfragen zum Thema Islam ab, wie er in einem Interview mit der „Zeit“ sagte.

Grund dafür ist ein Vorfall Ende August bei einer Lesung an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Dort wurde er während einer Lesung Ziel eines Tortenwurfs. Eine Gruppe namens Undogmatische Radikale Linke stellte davon ein Video auf Twitter, es wurde inzwischen entfernt.

»Ich werde mich zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern«

Constantin Schreiber

Auf Flyern, die vor der Aktion verteilt wurden, ging es um Schreibers Roman „Die Kandidatin“. Darin greift eine Muslima nach der deutschen Kanzlerschaft. Der Roman wurde teils scharf kritisiert, die „taz“ nannte ihn etwa ein „politisches Hasspamphlet“. „Die Presse“ schrieb wohlwollender über „Die Kandidatin“: „Für Unwohlsein sorgt nicht, dass eine Muslima deutsche Kanzlerin werden könnte, sondern der Ablauf der politischen Debatten.“

Schreiber sagt nun: „Ich werde mich zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern. Ich werde keine Bücher dazu schreiben, ich lehne Talkshow-Anfragen ab, ich mache das nicht mehr. Da mögen jetzt manche feiern und vielleicht die Schampusflaschen aufmachen. Ob das ein Gewinn ist für die Meinungsfreiheit und für den Journalismus, ist eine andere Frage.“

Universität meldete sich erst zwei Tage nach Vorfall

Enttäuscht zeigte er sich von der Reaktion der Veranstalter der Lesung: Er vermisst ein klares Bekenntnis der Solidarität. Schon Tage vor seinem Auftritt habe es Protestanrufe gegeben, und man habe nicht reagiert. Auf den Flugblättern, die am Abend vor der Lesung verteilt wurden, zogen die Aktivisten Vergleiche mit dem antisemitischen NS-Propagandafilm „Jud Süß“. Die Universität verurteilte den Tortenwurf erst zwei Tage nach dem Vorfall, „erst, als die ersten Presseanfragen kamen“, so der Journalist.

Ihn störe vor allem, dass bei vielen hängen bleibe, dass er islamfeindlich oder islamkritisch sei, so Schreiber. „Man findet bei mir nichts Islamkritisches, Islamfeindliches, Muslimfeindliches“, betont er.

Unter Kollegen spüre er „eine Vorsicht, wenn es um polarisierende Debatten geht, aus der Sorge heraus, in etwas reingezogen zu werden, was sehr unangenehm werden kann.“ Der „Zeit“ schildert er etwa einen Vorfall, als ein Taxifahrer ihn vor seiner Haustür mit den Worten „Jetzt weiß ich, wo du wohnst“ bedroht habe. Nun sage er sich: „Ich will diese Negativität in meinem Leben nicht.“ (her)

>> Constantin Schreibers Interview in der „Zeit“


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