Energie

Warum baut Österreich diese Pipeline nicht?

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Quelle: Gas Connect Austria · Grafik: Getty Images, „Die Presse“ · PW
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Die Gasversorgung von morgen hängt nicht nur an der Suche nach neuen Lieferanten, sondern auch am Bau neuer Leitungen. Um das wichtigste Teilstück ist ein Streit entbrannt.

Wien. Im Grunde ist die Sache simpel: Will Österreich auch in den kommenden Wintern mit (nichtrussischem) Gas heizen, braucht es nicht nur neue Lieferanten, sondern auch neue Leitungen. So sieht das die Gasbranche, so sieht es der Energieregulator, so sieht es das Klimaschutzministerium. Das Herz­stück all dieser Überlegungen ist der Bau einer 40 Kilometer langen Leitung von Oberkappl nach Bad Leonfelden in Oberösterreich. Dieser zweite Strang neben der bestehenden West-Austria-Gasleitung würde es ermöglichen, dass mehr Gas aus dem Westen in Richtung Osten fließen kann, falls Russland als Lieferant wegfällt. Spätestens ab 2024 drohe Gasmangel in der Region, warnt die zuständige Gas Connect Austria (GCA). Daher sei der Bau dieses ersten Teilstücks des „WAG Loop“-Projekts „besonders wichtig“. Seit dem Frühjahr liegt auch die Genehmigung des Regulators auf dem Tisch. Bauen will die GCA die Leitung trotzdem nicht.

Um das zu verstehen, ist es hilfreich, einen Schritt zurückzugehen. Österreich ist auch eineinhalb Jahre nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs noch zu über 60 Prozent von russischem Erdgas abhängig, das unter anderem über die West-Austria-Gasleitung transportiert wird. Solange die teilstaatliche OMV nicht juristisch gegen ihre bis 2040 geltenden Lieferverträge mit der russischen Gazprom vorgeht, dürfte sich daran auch wenig ändern. Genau das macht den Bau eines neuen Teilstücks, um Gas aus Deutschland zu holen, freilich etwas riskanter. Die Gas Connect Austria, eine 51-Prozent-Tochter des Verbunds, will die finale Entscheidung erst treffen, wenn klar ist, dass auch genügend Transportkapazitäten gebucht werden. Ohne „politische Unterstützung“ könne das Projekt nicht starten, heißt es aus dem Unternehmen.

Grüne fordern Gasleitung

Die Politik ist aber alles andere als begeistert von der Vorstellung, nach dem teuren Aufbau der strategischen Gasreserve noch einmal Steuergeld in die Hand nehmen zu müssen, um ein Projekt zu ermöglichen, von dem bis vor wenigen Monaten noch alle Beteiligten hellauf begeistert waren. Und so flatterte dieser Tage ein Brief aus dem zuständigen Klimaschutzministerium auf die Schreibtische der beiden GCA-Geschäftsführer Harald Stindl und Stefan Wagenhofer. Das Schreiben liegt der „Presse“ vor. Es ist freundlich im Ton, in der Sache aber kaum misszuverstehen.


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