Kabarett-Seminar: Wie man mit Streit in der Firma umgeht

Wie man mit Konflikten nicht umgeht und dass Mediation auch nicht immer hilft - das zumindest erfährt man im Kabarett-Seminar.

Wien. Ein leitender Angestellter hatte jahrelang sein eigenes Büro. Nach einer Fusion muss er dieses plötzlich mit einem neuen Kollegen teilen. Und den Neuen mag er nicht. Schon wie der "Guten Morgen" sagt, gefällt ihm nicht. Und dann redet der auch noch von "seiner" Präsentation, statt "unsere" zu sagen. Das gibt Anlass zum Streit. Zum Glück kommt die Chefin. Und schlägt sich auf die Seite - des Falschen.

Szenenwechsel: Ein Angestellter hält nicht viel von seiner Kollegin. Mit ihrem Fachwissen ist es nicht weit her, denkt er, aber für Botendienste reicht es allemal. Auch wenn sie humpelt mit ihrem "Hammerzeh", was irgendwie Anlass zur Heiterkeit gibt, kann sie doch wenigstens ihre Mittagspause nützen, um ein gemeinsames Geschenk für einen dritten Kollegen zu kaufen. Und das Geld auslegen. Sie sieht das anders, zückt plötzlich eine Pistole und schießt den Kollegen an. Der Chef kommt. Und ersucht beide, sich doch bitte zusammenzureißen. Die Frau möge doch bitte die Pistole einstecken. Und der Mann soll aufstehen. Und bitte nicht mehr bluten.

Szenenwechsel: Ein Redakteur ist schon wieder spät dran mit seinem Artikel. Ob er nicht wisse, dass er bei einer Tageszeitung arbeite, meckert eine Kollegin. Ihm geht die ständige Nörgelei auf die Nerven. Als einziger Mann muss er mit vier Frauen zusammenarbeiten. Die haben Minderwertigkeitskomplexe und lassen diese an ihm aus. Kein Wunder, dass er da nichts weiterbringt. Die beiden streiten. Raufen gar. . .

Diese Szene hat sich natürlich nicht in den Redaktionsstuben der "Presse" zugetragen. Sie hat sich überhaupt nirgends wirklich zugetragen. Zumindest nicht genauso. Das Beratungsunternehmen Ecomotion hat das Kabarett-Trio Heilbutt&Rosen eingeladen, für ein Seminar über Wirtschaftsmediation Konflikte im Berufsleben auf die Bühne zu bringen. Jede Szene wird zuerst gespielt und dann von zwei Unternehmensberaterinnen interpretiert. Die Botschaft zu den drei Szenen: Chefs verfolgen unterschiedliche Strategien, wenn Mitarbeiter Konflikte haben. Manche ergreifen massiv Partei. Andere wollen nichts hören und nichts sehen. Besser wäre es, Mediation in Anspruch zu nehmen.

Heilbutt&Rosen sind dennoch Künstler genug, dass sie nicht bloße Werbung für Wirtschaftsmediation machen. Der Chef, der für die Mediation eintritt, wirkt wie ein weltfremder Friedensaktivist aus den Siebzigern. Und wird durch die Mediation sogar von seinen Zahnschmerzen kuriert.

Nach den kabarettistischen Einlagen erfahren die Seminarteilnehmer Allgemeines zum Thema Mediation und haben auch ausgiebig Möglichkeit zur Diskussion. Viele sind selbst Mediatoren und erzählen aus ihrer Praxis.

Schnell wird Einigkeit erzielt, dass Mediation tatsächlich ihre Grenzen hat. Wenn man sich von einem Mitarbeiter trennen muss oder ein Kaufangebot legt, bringt es wenig, wenn die Kontrahenten mit einem unparteiischen Dritten darüber reden. Die Interessen seines Klienten seien ihm wichtiger als ein harmonischer Kompromiss, meint ein Anwalt, der selbst schon an einer Mediation teilgenommen hat. Immer kann es keine Win-Win-Situationen geben.

www.ecomotion.at/kabarettseminar; Nächster Termin: 16. September 2004

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