AHS-Lehrer müssen sich anfangs mit wenigen Stunden und Nebenjobs begnügen. Und viel Glück haben.
Wien. Maria Hennefeld hatte Glück. Sie unterrichtet Französisch und Griechisch im Gymnasium Wasagasse in Wien. Eine Fächerkombination, der nicht gerade rosige Jobaussichten eingeräumt werden. Vor fünf Jahren hat sie ihr Unterrichtspraktikum absolviert. Dann ging ihre Betreuungslehrerin in Pension. Maria Hennefeld hat eine Klasse bekommen. Mit drei Stunden Unterricht und Nachmittagsbetreuung hatte sie zumindest einen Fuß in der Tür. Jetzt hat sie eine volle Lehrverpflichtung. Wichtig sei, Kontakt zu Schulen und Direktoren zu halten. "Nur beim Stadtschulrat anrufen und fragen, ob sie schon etwas für einen haben, ist zu wenig." Dass sie mit ihren Fächern so schnell etwas gefunden habe, sei dennoch "eher der Ausnahmefall". "Glück gehabt" hat auch Andreas Jernej (Latein und Griechisch). Auch er konnte nach dem Praktikum sechs Stunden ergattern, weil eine Kollegin in Pension ging. Mit Nachhilfe hielt er sich über Wasser. Zwei Jahre später hat auch er eine volle Lehrverpflichtung.
Die Lehrer-Frühpensionierungswelle im Herbst habe vor allem jenen Junglehrern geholfen, die schon Stunden hatten, erzählt Reinhard Gruden, Leiter der Abteilung Personalmanagement im Stadtschulrat Wien. Solche, die noch keinen Fuß in der Tür haben, werden es in Zukunft noch schwerer haben. Nach dem Studium finden nicht einmal alle einen Platz für das einjährige Unterrichtspraktikum. Vor allem Absolventen von PPP (Psychologie, Philosophie, Pädagogik) seien schwer zu vermitteln, weiß Gruden: Denn Praktikanten dürfen nicht in achten Klassen unterrichten; das Fach gebe es aber nur in der siebenten und achten.
Für Astrid Schöbl (Geschichte, PPP) hat man noch keinen Platz in einer siebenten Klasse gefunden. Im Stadtschulrat habe man ihr gesagt, dass Leute schon seit dem Vorjahr auf der Liste stünden. "Mit einem Lehramtsstudium ist es auch schwierig, etwas anderes zu finden, weil das Studium eben nur das Lehramt vorsieht", sagt Astrid Schöbl. Nicht einmal Nachhilfe kommt bei ihren Fächern in Frage.
Eine "Nische" gefunden hat Rainer Kalteis - mit Geschichte und PPP. Er hat einen Job an der Bildungsanstalt für Sozialpädagogik in St. Pölten ergattert. Dort darf nur unterrichten, wer Sozialpädagoge ist und PPP studiert hat. Auf ihn trifft beides zu. Trotzdem erhielt er zunächst nur sechs Stunden, nebenbei war er als Internatserzieher tätig. Nach dem Praktikum vor drei Jahren bekam er immer nur Einjahresverträge. Nach sieben Jahren muss ihm der Bund einen unbefristeten Vertrag geben. Oder keinen mehr. Was Rainer Kalteis ärgert: Pragmatisierte Lehrer können jahrelang karenziert sein. In dieser Zeit wird ihr Posten freigehalten. Und die jungen Vertretungslehrer müssen jederzeit bereit sein, den Platz wieder zu räumen.
Rainers Frau Bernadette leistet ab Herbst ihr Praktikum mit der "Horror-Kombination" Deutsch und Geschichte ab. Dazu muss sie von Melk nach Wieselburg pendeln. Was die zweifache Mutter danach macht, wenn sie etwa nur eine Lehrverpflichtung von vier Stunden 80 Kilometer entfernt bekommt? Dann behält sie wohl ihren Job in der Melker Stiftsbibliothek und verzichtet auf den Traumberuf Lehrer.
"Ich sage Ihnen besser, welche Fächer derzeit gefragt sind", weist Gruden die Frage zurück, welche Fächer angehende Lehrer meiden sollten. Gute Chancen hat man derzeit noch mit Musikerziehung und Werkerziehung für Knaben. Ein paar Stunden ergattern kann man auch mit Mathematik und Physik; eine volle Lehrverpflichtung könne man Junglehrern mit diesen Fächern aber auch nicht mehr garantieren.