Uni-Diplome: Immer mehr Schwindelarbeiten

Die Anzahl der Plagiate bei wissenschaftlichen Arbeiten ist im Steigen. Manche Professoren haben schon Übung im Aufspüren der Schwindelarbeiten.

Wien. "Mir ist sogar einmal der eigene Text vorgesetzt worden", entrüstet sich Birgit Sauer von der Universität Wien über die Dreistigkeit mancher Studenten. Die Politikwissenschaftlerin gehört zu den Professoren, die bemüht sind, Plagiate bei wissenschaftlichen Arbeiten von Studenten aufzudecken. Eine immer schwieriger werdende Aufgabe, denn die Anzahl der abgeschriebenen Arbeiten steigt von Jahr zu Jahr.

"Vor allem bei Diplomarbeiten besteht die Tendenz zu Plagiaten", bestätigt Willibald Posch, rechtswissenschaftlicher Studiendekan an der Universität Graz. So sei es schon öfters vorgekommen, dass EU-Dokumente eins zu eins übernommen wurden.

Besonders drastisch sei aber ein Fall vor einigen Jahren gewesen. Eine "prominente Figur", so Posch, hätte eine Dissertation abgegeben, die "in abenteuerlicher Weise seitenweise abgekupfert war". Die Begutachter aber hatten die Arbeit mit "gut" bewertet. Posch deckte den Schwindel jedoch auf. Der Student nahm sich einen Anwalt, der Fall landete schließlich vor dem Verwaltungsgerichtshof. Dieser bestätige den Professor, das Vorliegen eines Plagiats galt als erwiesen, der Student erlangte keinen Doktortitel.

Die steigende Anzahl an "gestohlenen" wissenschaftlichen Arbeiten könnte mit dem immer größer werdenden Angebot an schummelnde Studenten zusammenhängen. Einzelne Internetseiten bieten sogar eigene Konditionen für Hochschüler an: Studierende zahlen für das Herunterladen einer Arbeit nur die Hälfte.

"Oft ist es reiner Zufall, wenn man jemanden aufdeckt", berichtet Posch über seine Versuche, den betrügerischen Studenten das Handwerk zu legen. Manchmal reiche sogar der Einsatz der Suchmaschine "google" aus, um Plagiate ausfindig zu machen. Inzwischen gibt es aber sogar schon eigene Suchmaschinen für Professoren, die Betrügern auf der Spur sind.

Einfacher wird es, wenn der Professor den Studenten persönlich kennt. Wenn die Wortwahl des Studenten in der Arbeit stark von der mündlichen Performance abweicht, spreche dies für das Vorliegen eines Plagiats, sagt Sauer. Besonders leicht seien auch Arbeiten zu überprüfen, die in perfektem Englisch verfasst sind, erzählt Posch: "Im persönlichen Gespräch stellt sich dann manchmal heraus, dass der Student gar nicht so gut Englisch kann."

Wer eine abgeschriebene Diplomarbeit einreicht, muss neben urheberrechtlichen auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen: Im Vorjahr stand eine Grazer Studentin wegen Beweismittelfälschung vor Gericht. Sie wurde aber im Zweifel frei gesprochen.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.