Outplacement: Immer offen sein für Neuorientierung

An berufliche Neuorientierung sollte man nicht erst bei der Kündigung denken, sagt Outplacement-Experte Alexander Norman.

Wien. In Zukunft wird nur noch ein Viertel aller Beschäftigten unselbstständig erwerbstätig im herkömmlichen Sinn sein - mit 13. und 14. Monatsgehalt sowie kollektivvertraglich geregelten Vorrückungen, glaubt Outplacement-Berater Alexander Norman. Er ist im Föhrenberg-Kreis (einer Arbeitsgruppe von Unternehmern, Politikern und Wissenschaftlern, die sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf Österreich auseinander setzt) für Bildung zuständig. Anders als das Viertel der typischen Angestellten bzw. Arbeiter werden die restlichen drei Viertel der Mitarbeiter in irgendeiner anderen Beziehung zum Arbeitgeber stehen - als Werkvertragstätiger, Lieferant oder "Portfolio-Worker", der zum Teil einer unselbstständigen Beschäftigung nachgeht, teilweise auf Werkvertrags- oder Projektbasis arbeitet, zum Teil Kinder erzieht etc.

Wie kommt Norman darauf? Sein Unternehmen ist auf "Trennungsberatung" spezialisiert, berät also Firmen, die Mitarbeiter abbauen wollen oder müssen, sowie Arbeitnehmer, die vor der Kündigung oder Neuorientierung stehen. Mitunter komme es vor, dass ein Unternehmen einen Mitarbeiter kündigen will, dann komme man aber bei der Potenzialanalyse drauf, dass der Mitarbeiter nur in der falschen Abteilung sitze. Oder dass er für den Betrieb künftig nicht mehr als Angestellter, sondern auf Projektbasis arbeiten wird. Deshalb bezeichnet Norman diese Vorgehensweise lieber als "Newplacement" statt als "Outplacement".

Wirklich durchgesetzt habe sich dieses Denken in Österreich freilich noch nicht: Die Wirtschaft fühle sich für Bildungs- oder Arbeitsmarktpolitik kaum zuständig und sehe diese als Bestandteil der Sozialpolitik. Man suche Hochqualifizierte auf dem Markt und bilde sie dann bestenfalls unternehmensspezifisch weiter. Was im Kündigungsfall mit den Mitarbeitern passiere, interessiere viele Unternehmen auch nicht wirklich. Das sei nicht nur menschlich ein Fehler: Erstens kosten Kündigungen Geld. Zweitens schade eine nicht wertschätzende Trennungskultur dem Betriebsklima und dem Image des Unternehmens. Und drittens bringe sich die Wirtschaft um qualifizierte Arbeitnehmer, die dann in AMS-Schulungen sitzen, anstatt je nach Potenzial wieder der Wirtschaft zur Verfügung zu stehen.

Und die Arbeitnehmer müssten aufhören, nur dann an Neuorientierung zu denken, wenn eine Kündigung bevorsteht. Die Zeiten, wo man bis zur Pensionierung in einem Job verbringe, seien vorbei: Anstatt sich vom AMS sagen zu lassen, was einem zumutbar sei, sollte man im Fall des Falles bereits wissen, welche Leistung man anbieten kann.

Dieser Prozess sei aber schon im Gange, meint Norman: Jährlich würden in Österreich 1,6 Millionen Dienstverhältnisse gelöst, das sind mehr als die Hälfte aller Dienstverhältnisse. Und: "Das sind ja nicht alles Dienstgeberkündigungen."

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