Start-up-Szene

„Es ist ein verdammt hartes Business“

Annemarie Harant und Bettina Steinbrugger gewannen den Pitch 2015 beim Marketing Rockstarts Festival in Graz.
Annemarie Harant und Bettina Steinbrugger gewannen den Pitch 2015 beim Marketing Rockstarts Festival in Graz.
  • Drucken

Mit ihrem neuen Buch, „Bloody Business“, will Bettina Steinbrugger nicht nur Tabus brechen, sondern auch Hürden der Szene aufdecken.

Investitionen in Start-ups sind von entscheidender Bedeutung für die Innovation in Österreich. Darüber ist man sich hierzulande einig, wie auch die jüngsten Zahlen des EY-Start-up-Barometers in Zusammenarbeit mit Start-up Landscape Austria verdeutlichen. Sie zeigen eine positive Entwicklung bei den Finanzierungsrunden. „Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 stieg die Anzahl der Investitionsrunden um 15 Prozent von 79 auf 91 – ein neuer Rekord“, sagt WKÖ-Leiter für Start-up-Services, Kambis Kohansal Vajargah, in einer Aussendung. So steigt auch die Bereitschaft, in nachhaltige Firmen zu investieren.

Einen Meilenstein setzt die Start-up-Initiative von Deloitte unter dem Titel „Grow“. Gemeinsam mit dem Impact Hub suchen sie Gründer, die mit ihrer Businessidee „dem Klimawandel den Kampf ansagen“. Die Bewerbungsphase läuft bis 22. Oktober, mit der Intention, Sozialunternehmen zu fördern.

Zu diesen zählt auch die „Erdbeerwoche“, 2011 von Bettina Steinbrugger und Annemarie Harant gegründet. Mit dem Ziel, nachhaltige Periodenprodukte auf den Markt zu bringen. Über die Hürden auf dem Weg zum Unternehmenserfolg schreibt die Co-Gründerin in ihrem Buch „Bloody Business“.

Die beiden hätten auf ihrer Reise nicht nur „Nerven aus Stahl“, sondern auch gutes Schuhwerk benötigt. Schließlich gab es noch keine digitale Anlaufstelle, Kunden und Stakeholder mussten per Fuß akquiriert werden. Zur Pitch-Präsentation nach Graz stiegen die beiden dann doch in den Zug. Selbst dort stießen sie auf „rot anlaufende Gesichter und verstörte Blicke der anderen Zuggäste“, als sie über Menstruation und Periodenprodukte sprachen. Ein weiterer Beweis dafür, dass sich viel zu ändern hat.

Ready for red?

Zwar stiegen sie ohne fachliche Expertise oder wirtschaftliches Know-how aus, aber eines hat ihnen von Anfang an nicht gefehlt: Hartnäckigkeit. „Mit unserer Idee sind wir auf viel Gegenwind gestoßen“, so die Autorin. Sich nicht entmutigen zu lassen und an neue Bedingungen anzupassen, seien wesentliche Faktoren für den Erfolg. Denn die Start-up-Szene sei ein „verdammt hartes Business“.

Ihr Geschäftsmodell habe sich auch oft geändert. Zuletzt habe die 39-Jährige mit ihrem Team die Aufklärungsplattform Ready for Red kreiert. Insgesamt hat sie sieben Punkte in der Gründungsphase gelernt: Die Arbeit nicht allein zu erledigen, sondern sich mit einem Sparringpartner zu arrangieren. Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. Zu versuchen, jede vermeintliche Schwäche als Stärke einzusetzen. Perfektionismus ad acta zu legen und sich auch mit dem Mittelmaß zufriedenzugeben. Balance zwischen Risikofreude- und Aversion zu finden. Den Zweck in Erinnerung zu rufen. Und: an sich selbst zu glauben. (ere)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.