Unter 20 Euro

Lokalkritik in der Wolke: Viel Rosa, viel Rand, viel Instagram

Pizzeria Wolke in der Alserbachstrasse 33
Pizzeria Wolke in der Alserbachstrasse 33Mirjam Reither
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Influencer Hank Ge hat beim Franz-Josefs-Bahnhof eine zweite Pizzeria Wolke aufgesperrt. Wer Pizzarand mag, ist hier im Vorteil.

Hank Ge weiß, was das Internet will. Auf Instagram posiert er gern mit nacktem Oberkörper oder zumindest offenem Hemd, die Lockenpracht auf eine Seite gestrichen, in der Hand wahlweise ein Surfbrett oder einen veganen Wrap, den Blick mitunter schmachtend in die Ferne gerichtet: Als Posterboy des veganen Lifestyle bezeichnen den Influencer manche, dass er weit mehr ist als just another pretty face ist inzwischen aber auch klar: Der ehemalige Investmentbanker – bürgerlich: Hendrik Genotte – verkauft Kosmetik (Lockenshampoo, was sonst!), ist als Immobilienentwickler tätig – und auch als Gastronom sehr umtriebig.

Der gebürtige Deutsche steckt hinter dem knallbunten Bali Brunch, der Speakeasy-Bar Fitzcarraldo (mit ihrem clever versteckten Eingang) und der Pizzeria Wolke in der Neubaugasse. Und hat Letzterer nun einen Ableger verpasst: Auch unweit des Franz-Josefs-Bahnhofs bekommt man nun Pizza in allen Farben des Regenbogens.

Das Interieur ist freilich vor allem Rosa, von den Tischen über die Fake-Kirschblüten und die Mini-Sukkulenten bis zur Speisekarte, rundherum Makramee, Seegraslampen, Pölster, Flausch ohne Ende: So würde Barbie auf Bali wohnen – überraschenderweise ist das sogar ganz nett (würde der Pizzaofen bloß nicht so pfeifen). Beim Getränk aber bitte nicht zu Rosa greifen: Die Himbeer-Rosen-Limo ist picksüß, künstlich und leider absolut nicht trinkbar.

Die hübsch angerichtete Burrata mit Pestotupfen und Rote-Rüben-Creme ist ganz okay, Granatapfel und Pinienkerne machen dem Kind auch noch Spaß. Die Pizza ist wiederum vor allem: leer. Ein paar geschmacksarme Cocktailtomaten auf einer etwas seltsamen, dünnen Käseschicht, bisschen Pesto, bisschen Dill: Das macht nicht einmal auf Instagram etwas her (Bianca Due, 13,80 Euro). Besser ist da die Arancione, die Kürbiscreme macht zumindest eine schöne Farbe, schmecken tut man sie freilich kaum, unterm Rucola verstecken sich wenige Grillgemüsestücke (14,90 Euro). Es gäbe alternativ auch noch lila, grüne oder vielfarbige Pizzen, fast alle vegan oder vegetarisch.

in paar geschmacksarme Cocktailtomaten auf einer etwas seltsamen, dünnen Käseschicht, bisschen Pesto, bisschen Dill.
in paar geschmacksarme Cocktailtomaten auf einer etwas seltsamen, dünnen Käseschicht, bisschen Pesto, bisschen Dill. Bernadette Bayrhammer

Fazit: Wer Team Pizzarand ist, ist hier im Vorteil. Der ist nämlich nicht nur wolkig, sondern wirklich gut. Aber halt auch keine 15 Euro wert.  

Info

Wolke 1090, Alserbachstraße 33, https://www.wolke-vienna.at/

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