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iens Fiakerpferde müssen neu erdings Windeln tragen. Klingt komisch, ist aber so. Diese Innovation nennt sich Pooh-Bag und soll den Wiener Boulevard vor allem vor den großen "Geschäften" bewahren. Viele Fiaker weigern sich, ihre Tiere zu wickeln. Zu viel Drecksarbeit für Mensch, Quälerei fürs Tier, sagen sie. Aus Pferdeäpfeln sind Zankäpfel geworden.
Die Tiere würden durch die Pooh-Bags gar nicht gequält, meint der Magistrat und verweist auf tierärztliche Mitarbeit bei der Windel-Entwicklung. Ihre Pferde würden sehr wohl leiden, sagen die Kutscher und verweisen - erraten - auf (andere) Tierärzte. In der Windel-Verordnung findet sich ein Kompromiss: Wenn ein Fiaker ein ärztliches Attest bringt, das seinen Gäulen eine Windel-Unverträglichkeit bescheinigt, dürfen diese auch "ohne" unterwegs sein. In dem Fall muss eine geschmalzene Straßenreinigungs-Gebühr erstattet werden. Atteste sind die Ausnahme. Wer nicht wickelt, so der Magistrat, verliert die Konzession. So hat der olfaktorische Kleinkrieg, der seit Jahren zwischen der Stadt und ihren Fiakern tobt (die Reinigungspflicht galt lange bevor es Pooh-Bags gab, wurde aber praktisch nie eingehalten), einen neuen Höhepunkt erreicht.
Angesichts Hunderttausender Autos, die Wien täglich mit Abgasen verpesten, fallen die Stoffwechselprodukte der Huftiere zwar nicht ins Gewicht; aber man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Und daher, geschätzte Fiaker, auch wenn das Pooh-Bag-Entleeren Mühe macht, da gibts halt so was wie ein Verursacherprinzip. Der Apfel fällt nicht weit vom - Pferd. Die neue Verordnung ist berechtigt (was angesichts der teilweise ebenso veralteten wie kuriosen Bestimmungen Wiens nicht selbstverständlich ist). Jetzt heißt's Windeln wechseln. Nase zu und durch.
manfred.seeh@diepresse.com