Meinung: Im wilden Osten

D
as Thema polarisiert: Soll die Poli zei (mutmaßliche) Straftäter mit Glacéhandschuhen angreifen? So fragen die einen. Über wild gewordene "Sheriffs", die - buchstäblich - übers Ziel hinaus schießen, klagen die anderen. Zwischen den beiden Lagern ist es eher ruhig. Emotionen verdrängen sachliche Analysen. Und es wird noch emotionaler, wenn Menschen "fremdländischer" Hautfarbe im Zentrum einer mitunter tödlich endenden Amtshandlung stehen.

Ein Toter, zwei durch Polizei-Projektile Verletzte, in nur zwei Wochen - in Wien. Nach einem offenbar unheimlichen Gesetz der Serie, die Polizei der Verantwortungslosigkeit zu zeihen, wäre einfach, aber falsch. Jeder Fall ist anders: Erst ein rumänischer Lkw-Lenker, der mit dem Messer auf einen Beamten losgeht und - laut Polizei - in "Nothilfe" erschossen wird. Dann ein Dealer, der einem verdeckten Fahnder ins Netz geht, rabiat wird und nur mit einem Schuss ins Bein "neutralisiert" werden kann. Dann der Pkw-Lenker: Er flieht vor einer Verkehrskontrolle, rast auf die Polizei zu. Ein Beamter zielt auf die Autoreifen, schießt viermal, trifft einmal - ins Becken des Lenkers.

Mag es tatsächlich ein Gesetz der Serie sein. Mag die Wiener Polizei das Pech haben, dass nun alles zusammenkommt. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es mit den Schießkünsten der Ordnungshüter nicht zum Besten steht. Irgendwie könnten man meinen, das Training von Extremsituationen (und um solche handelt es sich ja wohl, wenn Schüsse fallen) reiche nicht aus.

Die Polizei kann nichts dafür, wenn die Kriminalität steigt. Aber Tote und Verletzte schaffen Unsicherheit. Dieser sollte durch Schulungen vorgebeugt werden. Sonst könnte gar der Fall eintreten, dass Beamte aus Furcht vor Fehlleistungen lieber nicht zur Waffe greifen - und dann selbst zum Opfer werden.

manfred.seeh@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.