Meinung: Unsere Kinder

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eutsche Fahnder liefern Wien den entscheidenden Hinweis auf einen rumänischen Lkw. Dieser wird in Niederösterreich aus dem Verkehr gezogen. Laut Frachtpapieren war er nach Frankreich unterwegs. An Bord befanden sich mehr als 113 Kilogramm Heroin. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 betrug die Gesamtmenge des in Österreich sichergestellten Heroins 42,9 Kilogramm.

Die Bekanntgabe des Heroinfundes reiht sich nahtlos an die Veröffentlichung zweier Drogenberichte. Einer stammt vom österreichischen Innenministerium und einer von der UNO. Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, zeigt der jüngste Rekordfund, dass sowohl Drogenschmuggel als auch Drogenbekämpfung nur international funktionieren.

Innenminister Ernst Strasser trat als Mann großer Worte auf: "Wir wollen die Bosse ausfindig machen. Jene, die blutiges Geld auf dem Rücken unserer Kinder verdienen." Klingt gut, ist aber bisher noch keinem Land der Welt gelungen.

Doch gerade daran, nämlich an der Effizienz internationaler Zusammenarbeit, misst sich (siehe oben) der Erfolg im Kampf gegen die Drogenbarone. In Wien gehören Dealer, viele von ihnen aus Schwarzafrika, zum Straßenbild. Sie tragen dazu bei, dass "unsere Kinder" krank werden. Der vielerorts artikulierte Zorn ist nur allzu verständlich. Doch der Beitrag dieser Dealer ist, auch wenn es beinahe zynisch klingt, gering - verglichen mit dem Schaden, den die von Strasser erwähnten "Bosse" anrichten.

Tonnenweise wird aus Afghanistan Opium nach Europa geschickt. Vielfach über die berüchtigte Balkanroute, die auch der nun gestoppte Heroin-Lkw wählte. Tonnenweise wird von Südamerika Kokain nach Europa geflogen. Dass der Flughafen Wien-Schwechat "Drehscheibe" ist, wurde erst am Montag vom Direktor des Bundeskriminalamts Herwig Haidinger bestätigt. Bleibt also zu hoffen, dass den Worten Strassers Taten folgen. Ganz im Sinne unserer Kinder.

manfred.seeh@diepresse.com

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