Meinung: Hitze in Traiskirchen

D
er Vergleich mit einem Druck kochtopf drängt sich auf. Der Topf steht auf dem Herd und zischt bedrohlich. Wird die Hitze nicht reduziert, entlädt sich der Druck - das Ding explodiert.

Mehr als 1500 Menschen sitzen im Flüchtlingslager Traiskirchen fest. Viel zu viele. Die Traiskirchner, deren Ort längst zum Synonym für Österreichs unzulänglichen Umgang mit Asylwerbern geworden ist, wehren sich. Sie wehren sich dagegen, dass die meisten Bundesländer die kleine Gemeinde im Stich lassen (und viel zu wenig Asylwerber übernehmen). Traiskirchens wehrhafter Bürgermeister organisiert Proteste - ohne Erfolg. Nun hat die zuständige Bezirkshauptmannschaft einen interessanten Bescheid erlassen: Die Überfüllung im Lager sei feuerpolizeilich nicht zu rechtfertigen, heißt es. Daher müsse der Belag sofort reduziert werden. Jetzt auf einmal?

Folgerichtig möchte Innenminister Ernst Strasser - quasi als Vollzugsorgan -, dass ab sofort an jedem Werktag 50 Asylwerber Traiskirchen verlassen. Die Länder, so sagt Strasser (ganz im Sinne der Traiskirchner), sollten gefälligst ihrer Pflicht nachkommen - und zumindest jene Unterkünfte bereitstellen, die sehr wohl existierten, aber bisher nicht freigegeben würden. Siehe da: Zum Beispiel das Burgenland oder Oberösterreich haben rasch Quartiere zugesagt - und folgen somit ihrer vor Monaten mit dem Bund vereinbarten Verpflichtung.

Somit sorgt ausgerechnet die Feuerpolizei dafür, dass der Druckkochtopf Traiskirchen abkühlt. Doch der entweichende Druck baut sich woanders wieder auf. Nun sind es die Asylwerber selbst, die zwischen die Fronten geraten. Wird der Bescheid zügig umgesetzt, müssen die Länder (nur Wien und Niederösterreich erfüllen die Quote) konsequent ihre Tore öffnen. Tun sie das nicht, stehen die Flüchtlinge auf der Straße. So könnte die Situation ganz außer Kontrolle geraten. Und dann explodieren.

manfred.seeh@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.