Meinung: Klinik-Schicksale

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ie österreichweit einzige Aids-Sta tion auf der Baumgartner Höhe soll also Anfang März gesperrt werden. Man müsse sparen, heißt es. Die Patienten würden anderswo betreut. Dass der Sparstift tatsächlich angesetzt wird, beweist etwa das "Schicksal" der Kinderklinik Glanzing. Sie wurde 2002 geschlossen. Der Krankenanstaltenverbund kassierte sechs Millionen Euro für das Areal in bester Döblinger Lage. Ein ähnliches Los widerfuhr der Döblinger Neurologie im Maria Theresien-Schlössel - auch sie musste sich dem schnöden Mammon geschlagen geben - und wurde ausquartiert. Wenn die Stadt Wien, respektive der Krankenanstaltenverbund, etwas haben, ist es auch legitim, dieses "Etwas" zu verkaufen. Medizinische Versorgung will und muss auch finanziert werden.

Allein dieses "Etwas" schützt das überaus wertvolle Gut des menschlichen Lebens. Dass dieses mit Geld aufgewogen werden kann, wird von den Verantwortlichen der Stadt Wien erst gar nicht behauptet. Offiziell geht's um Effizienz. Und da tut sich mittlerweile eine neue Front auf: Die Semmelweis-Frauenklinik - ebenfalls in allerbester Grün-Lage in Wien-Währing - wird derzeit "geprüft". Die Stadt als Hausherrin erhebt eine (Kosten-)Analyse; im Vordergrund stehe aber die Tatsache, so Wiens Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann, dass in der Semmelweis-Klinik eine geburtshilfliche Abteilung praktisch allein auf weiter Flur stehe. Mag sein, aber erst seit die Gynäkologie voriges Jahr ausgelagert wurde.

Dass die Charakteristik der Semmelweis-Klinik, die sanfte Geburt, international viel beachtet wird, scheint wenig zu zählen. Aber vielleicht ändert die Stadt noch ihre Meinung. Und sucht ihr Heil nicht nur in Riesen-Krankenhäusern, die zwar über jede Technik verfügen, denen aber jede Atmosphäre fehlt.

manfred.seeh@diepresse.com

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