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rauen haben "Soft Skills", heißt es (siehe nebenstehenden Artikel). Sie können also gut mit Menschen umgehen, sind einfühlsam, haben aber wenig Verhandlungsgeschick. Es soll zwar auch solche geben, bei denen das nicht so ist und die sich trotzdem mit der "gläsernen Decke" konfrontiert sehen, aber lassen wir die einmal außer Acht.
Haben sich Frauen mit "weichen" Fähigkeiten - wie Organisationstalent und Genauigkeit, die als Sekretärinnen die Termine ihres durchsetzungskräftigen Chefs im Kopf haben, oder solche mit sozialen Qualitäten, die Kranke pflegen und Alte und Kinder betreuen und damit nicht gerade reich werden - für Sinnerfüllung und gegen Geld entschieden?
Mit Menschen zu arbeiten, so unterstellt man, macht viel glücklicher, als sich mit so trockenen Dingen wie Finanzen oder Strategie zu befassen. Erst recht, wenn die Frauen selber sagen, dass sie ihre Arbeit gern tun. Und dafür wollen sie auch noch viel Geld verlangen? Das gilt auch für jene, die Teilzeit arbeiten, um sich unbezahlter Familienarbeit widmen zu können. Zwar reduziert das drastisch die Pensionsbemessungsgrundlage, aber was wiegt das schon dagegen, dass man tun kann, wofür man durch seine Soft Skills einfach prädestiniert ist?
Auffällig ist freilich, dass Manager mit Durchsetzungskraft, die gern verhandeln, sich selten mit wenig Einkommen zufrieden geben, weil sie ja tun können, was sie gern tun. Wenn man also - als Frau oder Mann - über hervorragende "Soft Skills" verfügt und außerdem noch glücklich ist mit dem, was man tut, sollte man trotzdem mehr Geld dafür verlangen. Das macht noch glücklicher.
beate.lammer@diepresse.com