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eigen sie etwas auf, das einem nicht gefällt, bezichtigt man sie oft der Lüge. Dennoch glauben Politiker und Lobbies an ihre Aussagekraft, sonst würden sie nicht bei allen möglichen Anlässen neue aus dem Ärmel schütteln: die Statistiken.
Der Vorwurf, dass sie lügen, ist meist unberechtigt. Sie messen, was man sie fragt. Konkret: Wie viele Menschen beim AMS als arbeitslos gemeldet sind, ist eine andere Frage als die, wie viele auf Jobsuche sind. Natürlich ist es auch weniger aufwendig, die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen zu ermitteln. Bei den Schul- und Universitätsabgängern, den potenziellen Wiedereinsteigerinnen und in Konkurs gegangenen Selbstständigen müsste man durch Umfragen erheben, ob sie auf Jobsuche sind, aber vom AMS keine Hilfe erwarten, oder ob sie Ausbildung oder Kinderbetreuung in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Ehepartner oder Eltern fortsetzen wollen.
Soll man Schulungsteilnehmer und Pensionsvorschussbezieher berücksichtigen (Seite 18)? Das hängt davon ab, ob man die Zahl der jederzeit Vermittelbaren oder eben die der Bezieher von AMS-Leistungen ermitteln will.
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ie Motive von Regierung und Op position, unterschiedliche Statisti ken zu präsentieren, liegen freilich nicht bloß im unterschiedlichen akademischen Zugang: Wenn Regierungspolitiker Schulungsteilnehmer und Pensionsvorschussbezieher aus der Arbeitslosenstatistik herausrechnen, dann tun sie das nicht, weil sie die Zahl der Vermittelbaren für aussagekräftiger halten, sondern um mit schönen Zahlen aufzuwarten. Bei Oppositionspolitikern ist es umgekehrt.
Dennoch ist es gut, wenn Politiker immer neue Statistiken präsentieren. Denn mögen ihre Motive lauter sein oder nicht: Die Wirkung ist, dass das komplexe Phänomen Arbeitslosigkeit von vielen Seiten beleuchtet wird. Wenn das dazu führt, dass Politik und Gesellschaft sich des ganzen Problems in all seinen Erscheinungsformen annehmen, können gar nicht genug Statistiken kursieren.
beate.lammer@diepresse.com