Analyse: Bausparkassen in der Klemme

B
ausparen ist in Österreich neben dem Sparbuch die beliebteste An lageform. Dennoch oder gerade deshalb stecken die derzeit noch fünf heimischen Bausparkassen - die kleine LBA wird demnächst von der Bausparkasse Wüstenrot geschluckt - in einer Krise. Das hartnäckige Zinstief, das auch in nächster Zeit anhalten dürfte, machte Bausparkredite zunehmend unattraktiv. Vor allem die billigen Fremdwährungskredite graben den Bausparkassen das Wasser ab. Auch ihre Mütter, die Banken, machen den Bausparkassen durch günstige Kreditkonditionen das Leben schwer. Die Finanzierungsleistung aller Bausparkassen (Bauspardarlehen plus Zwischendarlehen) lag im Vorjahr unter zwei Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 3,6 Mrd. Euro gewesen. Weil gleichzeitig die Zahl der
neu abgeschlossenen Bausparverträge wächst und dank der im Vergleich zum Sparbuch noch immer attraktiven Rendite die Bausparer auf ihre Verträge auch fleißig einzahlen, kommen die Bauspar-"Generäle" immer stärker in die Zwickmühle.

Wenn die Finanzierungsleistung weiter so niedrig bleibt, wird die derzeit noch auf Sparflamme köchelnde Diskussion über die Sinnhaftigkeit der staatlichen Bausparkasse heftiger werden. Immerhin ließ der Fiskus im Jahr 2003 noch immer die stolze Summe von 123 Mill. Euro für die Bausparprämie springen. Davon profitieren aber immer weniger Bauwillige, während das Geld aus abreifenden Bausparverträgen verstärkt für exklusive Urlaubsreisen oder für den Autokauf verwendet wird. Dass die Bausparkasse Wüstenrot, die bei der Vergabe von Krediten eine deutlich geringeren Marktanteil hat als bei den mittels attraktiver Zinsen gepushten Einlagen, bei der Privatisierung der BIG mitbot, war zusätzlich Wasser auf die Mühlen der Bausparkritiker.

Die Bausparkassen müssen sich in nächster Zeit gewaltig anstrengen, um ihr Kreditgeschäft wieder stärker in Schwung zu bringen. Nur dann kann die staatliche Förderung für das Bausparen weiter gerechtfertigt werden. Zusätzlich muss die Branche alles daran setzen, das vor allem für junge Menschen antiquiert wirkende Produkt Bausparen auch in Zukunft attraktiv zu gestalten. Vor Zinsabsprachen sollten sich die Bausparkassen allerdings hüten. Immerhin gerieten die Institute im Vorjahr bereits ins Visier der Justizbehörden, die gegen sie Vorerhebungen wegen des Vorwurfs von Kartellabsprachen durchführten. Dass die Suppe zu dünn war, sprich die beschlagnahmten Sitzungsprotokolle offenbar nicht zur Untermauerung einer Anklage reichten, ist sicher kein Freibrief für alle Zeiten.

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