Meinung: Alle bemühen sich

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ir kümmern uns darum", ver sprach einsichtig US-Finanzmi nister John Snow dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Mittagessen, als ihn dieser am Rande des G-20-Treffens in Berlin zum Abbau des US-Haushaltsdefizits aufforderte.

Wenn sich ein Verhandlungspartner so einsichtig zeigt, will man ihn nicht gleich mit Fragen wie einer Intervention gegen den schwachen Dollar belästigen. Und da er auch noch so höflich war, dem Gegenüber nicht gleich das deutsche Defizit vorzuwerfen, will man sich auch in Europa jetzt wirklich bemühen, die Arbeitsmärkte, Gesundheits- und Pensionssysteme weiter zu reformieren. Außerdem sind alle gegen Steuerflucht, Geldwäsche und Terrorismus, und die will man jetzt auch verstärkt bekämpfen.

Soll man jetzt in den Chor derer einstimmen, die den Politikern und Bankern vorwerfen, nur diplomatisches Blabla verzapft zu haben? Dass man bei einem informellen Treffen nicht die großen Probleme der Wirtschaft löst, an denen die einzelnen Staaten schon seit Jahren laborieren, war zu erwarten. Doch immerhin hat man wieder einmal den Willen demonstriert, gegen die Probleme gemeinsam vorgehen zu wollen. Zumindest das.

Und immerhin: Ein Land hat tatsächlich vom Treffen profitiert: Dem Irak will man einen Großteil der Schulden erlassen. Das war aber eigentlich kein G-20-Beschluss, sondern einer der im Pariser Club zusammengeschlossenen Gläubigerstaaten, und außerdem, so stellte man gleich klar, wird das nicht zu einem Modell für Umschuldungsfragen anderer. Für die gibt es einen "freiwilligen Verhaltenskodex", der "faire Umschuldungen" in Zahlungsschwierigkeiten vorsieht. Was das bedeutet? Ist für den üblichen Hauptverdächtigen nicht so wichtig: Das hochverschuldete Argentinien war dem Treffen ferngeblieben und hat dem Kodex nicht zugestimmt.

beate.lammer@diepresse.com

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