Offizielle Vorwürfe gegen italienische oder ausländische Banken gibt es in der Causa Parmalat noch nicht.
Mailand (ag). Am Freitag wurden im Zusammenhang mit der Parmalat-Pleite nun auch die Räumlichkeiten der Deutschen Bank durchsucht - wie zuvor schon die Büros der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, der Ratingagentur Standard & Poor's und von Nextra, einer Tochter der Banca Intesa, des größten italienischen Geldhauses. Die Ermittler fahnden nach Dokumenten über Parmalat-Anleihen im Wert von 350 Mill. Euro, die die Deutsche Bank platziert hatte. Aussagen der Manager waren für unzureichend befunden worden.
Trotz der Durchsuchungen versicherte Staatsanwalt Francesco Greco, dass offiziell noch keine Vorwürfe gegen italienische oder ausländische Banken erhoben worden seien. Die Mailänder Staatsanwaltschaft setzte auch Anti-Geldwäsche-Experten ein, um zu klären, ob die enorme Geldsumme, die Parmalat über Tochtergesellschaften in Steueroasen untergebracht hatte, auf illegale Weise gewaschen wurde.
Der wegen des Bilanzskandals verhaftete Gründer von Parmalat, Calisto Tanzi, wurde vom Mailänder Gefängnis in das öffentliche Krankenhaus Fatebenefratelli eingeliefert. Er klagte über Schmerzen im Arm, was Anzeichen von Herzproblemen sein könnten. Tanzi konnte daher am Freitag nicht einvernommen werden, wie ursprünglich geplant war. Tanzis Anwälte hatten in den vergangenen Wochen mehrere Enthaftungsanträge für ihren Mandaten eingebracht, die aber alle abgelehnt wurden. Die Untersuchungsrichter fürchten, dass Tanzi wichtige Beweise vernichten oder flüchten könnte.
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi sprach sich indes gegen eine Verschärfung der Strafen wegen Bilanzfälschung und Betrugs aus. Bereits derzeit könnten die Parmalat-Manager bis zu 25 Jahren Haft verurteilt werden.