Der Wiener Geigenbogenbauer

Was heißt schon Stradivari?

Gerhard Seifert über das „magische Dreieck“: „Musiker, Geige und Bogen bilden eine Symbiose. Der Bogen macht die Hälfte der Spieleigenschaften.“
Gerhard Seifert über das „magische Dreieck“: „Musiker, Geige und Bogen bilden eine Symbiose. Der Bogen macht die Hälfte der Spieleigenschaften.“Foto: Clemens Fabry
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Der junge Wiener Gerhard Seifert gewann den französischen Wettbewerb für Geigenbogenbauer. Der „Presse“ erzählt er, warum ein Bogen 275.000 Euro kosten kann und dieser Zunft das einzig geeignete Holz auszugehen droht.

Stradivari, Guarneri, gut und schön. Aber der Bogen macht doch die Musik! Musikfreunde kennen zwar alle die Namen der bedeutendsten italienischen Geigenbauer. Sie wissen auch um die Höchstpreise, die deren Instrumente erzielen. Aber Violinvirtuosen wissen es besser: Was nützt schon ein bedeutendes Instrument, wenn man keinen gleichwertigen Bogen besitzt, es zu spielen?

„Ja, man redet von einer Stradivari, aber nicht von den Bögen“, erzählt Gerhard Seifert, der Wiener Geigenbogenmacher, der vor Kurzem in Frankreich den ersten Preis im Bogenmacherwettbewerb gewonnen hat. Das will etwas bedeuten, Frankreich ist sozusagen das Mutterland dieses Handwerks. Die idealen Vorlagen für Geigenbögen stammen aus der Werkstatt François Xavier Tourte und seiner Familie. Tourte-Bögen erzielen Spitzenpreise: 2015 in London beispielsweise ungerechnet mehr als 275.000 Euro. „Der Bogen macht die Hälfte der Spieleigenschaften aus. Es ist ein Dreieck: Spieler, Geige und Bogen müssen eine Symbiose bilden“, sagt Seifert – und er weiß, wovon er spricht.

Seifert ist in einem Musikerhaushalt groß geworden und hat selbst Violine gespielt. Vater Günter Seifert ist Primgeiger der Philharmoniker. Gerhard Seifert wollte nicht in seine Fußstapfen treten: „Ich war nie der Mensch, der gern auf der Bühne steht, war aber immer handwerklich interessiert. Und ich war glücklich, dass Thomas Gerbeth eine Stelle freigehabt hat.“

Frankreich, das „Tourte-Land“

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