Parmalat: Banken droht Klage auf Schadenersatz

Parmalat-Sanierer Bondi will mehrere in den Skandal involvierte Banken klagen. Sie sollen mehrere Mrd. Euro zurückzahlen.

ROM (ag.). Auf die Bank of America, Citigroup, Morgan Stanley und Deutsche Bank könnten Forderungen in Höhe mehrerer Mrd. Euro zukommen. Der neue Chef des insolventen Parmalat-Konzerns, Enrico Bondi, will die in den skandalösen Fall verwickelten Banken auf Schadenersatz klagen. Das berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera" am Mittwoch. Die Geldinstitute sollen maßgeblich zur Pleite des Lebensmittelkonzerns beigetragen haben.

Bereits im Februar hatte die Mailänder Staatsanwaltschaft offizielle Ermittlungen gegen die Banken eingeleitet. Die Vorwürfe reichen von Kursmanipulation über die Weitergabe falscher Informationen bis hin zur Beihilfe zum betrügerischen Bankrott.

Italienische Medien berichteten, dass Parmalat nach neuesten Ermittlungsergebnissen auch Geschäfte mit der Mafia gemacht haben soll. Zusammen mit dem ebenfalls bankrotten Lebensmittelkonzern Cirio habe die Gruppe jährlich etwa 200.000 Euro an die neapolitanische Camorra gezahlt, hieß es. So wollten sich die Firmen ein Monopol in den Provinzen Neapel und Caserta sichern. Als Gegenleistung soll die Mafia den Konzernen durch Drohungen gegen eventuelle Konkurrenten den Weg freigemacht haben. Im Zuge der Ermittlungen seien bereits 18 Verdächtige festgenommen worden.

Der inhaftierte Firmengründer des insolventen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, pflegte auch intensive Kontakte zu italienischen Politikern der Regierungskoalition und der Opposition. Nach Angaben der rechtsorientierten Tageszeitung "Libero", die sich auf Tanzis Vernehmungen bezog, führte der Großindustrielle eine intensive Lobby-Arbeit, um sich die Gunst der politischen Elite zu sichern.

Laut der Tageszeitung hatte Tanzi im Jahr 1996 die Wahlkampagne des amtierenden EU-Kommissionspräsidenten, Romano Prodi, finanziert, der damals an der Spitze eines Mitte-Links-Bündnisses gegen den Kandidaten der Mitte-Rechts-Allianz, Silvio Berlusconi, angetreten war.

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