Steuerliche Änderungen bringen 2005 den Österreichern mehr Geld in der Börse. Krankenversicherte und Patienten werden stärker zur Kasse gebeten.
WIEN. Die Bürger dürfen sich mit dem Jahreswechsel auf eine finanzielle Entlastung freuen: Der Staat lockert die Steuerschraube, insgesamt werden dafür rund 2,5 Milliarden Euro verteilt. Mehr als ein Drittel davon lukrieren die Unternehmen. So wird die Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent gesenkt.
Österreich soll dadurch als Standort international wettbewerbsfähiger werden und mit den neuen EU-Ländern mithalten können: Im Nachbarland Slowakei liegt der Körperschaftssteuersatz bei 19 Prozent, in Ungarn gar nur bei 16 Prozent. Für diese Maßnahme sind 975 Millionen Euro vorgesehen.
Einzigartig in Europa ist die neue Gruppenbesteuerung: Verluste von Auslandstöchtern österreichischer Konzerne können in Österreich steuerlich geltend gemacht werden. Auch das soll Österreich als Standort für Unternehmen attraktiver machen. Finanzminister Karl-Heinz Grasser rechnet mit einem Steuerentfall von 100 Millionen Euro durch die Gruppenbesteuerung. Experten glauben jedoch, dass dieser Betrag deutlich höher sein wird.
Freuen können sich die Bauern: Agrardiesel wird steuerlich begünstigt. Für alle wird die Kirchensteuer höher absetzbar.
Knapp die Hälfte der von Grasser locker gemachten 2,5 Milliarden Euro dienen dazu, die Lohn- und Einkommenssteuerpflichtigen zu entlasten. Die Steuersätze wurden gesenkt, bis zu einem Jahreseinkommen von 15.770 Euro brutto zahlen Arbeitnehmer keine Steuern mehr, für Selbstständige beginnt die Steuerpflicht bei 10.000 Euro, für Pensionisten bei 13.500 Euro.
Damit würde es erstmals seit langem wieder deutliche Reallohnsteigerungen geben, den meisten bleibt durch die Steuerreform mehr im Börsel. Aber nicht allen: Für Leute mit sehr niedrigem Einkommen, die bereits bisher keine Steuern bezahlten, kann sich das Nettogehalt sogar reduzieren, weil die Sozialversicherungsbeiträge angehoben werden. Auch bei Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 51.750 Euro frisst die Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge die Effekte der Steuerreform völlig auf. Freuen können sich alle dazwischen, vor allem Personen mit einem Jahreseinkommen um die 35.400 Euro.
Getrübt wird die Freude über die steuerliche Entlastung vor allem durch das Gesundheitspaket. Die Krankenversicherten müssen sich auf höhere Beiträge einstellen: Diese werden einheitlich um 0,1 Prozentpunkte angehoben.
Darüber hinaus werden Besserverdiener nochmals extra zur Kasse gebeten: Die Höchstbeitragsgrundlage wird zusätzlich zur regelmäßigen Anhebung zum Jahresbeginn (um 90 Euro im Monat) um weitere 90 Euro erhöht. Die Höchstbeitragsgrundlage (bis zu dieser Grenze müssen Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden) steigt damit von derzeit 3450 Euro auf 3630 Euro.
Die Rezeptgebühr wird von 4,35 Euro auf 4,45 Euro erhöht. Darüber hinaus steht den Bundesländern die Möglichkeit offen, den Kostenbeitrag für Patienten in Krankenhäusern von derzeit knapp acht auf zehn Euro zu erhöhen.
Reduziert wird der Kassenzuschuss bei Sehbehelfen: Der Selbstbehalt steigt - mit Ausnahmen - von 23 auf 72,60 Euro. Raucher sind ebenfalls betroffen: Die Tabaksteuer wird um 18 Cent erhöht, womit Zigaretten teurer werden.