Die japanische Regierung will die bankrotte Supermarktkette Daiei zwangssanieren.
Tokio. Japans drittgrößte Einzelhandelskette Daiei steht vor dem Abgrund. Eklatante Managementfehler und mangelnde Aufsicht der Kreditgeber haben das früher führende Supermarkt-Unternehmen ruiniert. Nun muss jeder zweite der 54.000 Daiei-Mitarbeiter um seinen Arbeitsplatz fürchten. Ein Konkurs würde auch eine Vielzahl von Lieferanten in den Bankrott treiben und die wirtschaftliche Erholung Japan gefährden, fürchtet die Regierung. Daher wird die Kette unter staatliche Aufsicht gestellt, zwangssaniert und ab dem Frühjahr stückweise verkauft.
Zu den Interessenten für Teile von Daiei zählen die amerikanische Wal-Mart-Kette, die japanischen Branchenführer Aeon und Ito-Yokado sowie einige Investmentgesellschaften darunter Morgan Stanley und die Deutsche Bank. Sollte Wal-Mart die entschuldete Daiei-Kette übernehmen, entstünde der größte Einzelhandelskonzern Japans, zumal die Amerikaner bereits 37 Prozent an der konkurrierenden japanischen Supermarktkette Seiyu kontrollieren.
Die Supermarkt-Kette Daiei steht heute als Beispiel dafür, wie in der Arroganz der Boom-Jahre jede wirtschaftliche Vernunft ignoriert wurde. In dem Glauben, der Aufschwung der achtziger Jahre mit schwindelerregenden Immobilienpreisen und Dauerwachstum könne niemals ein Ende haben, expandierte die Händler-Gruppe wild und kaufte so ziemlich alles, was dem Management attraktiv erschien. So unterhält Daiei eine Profi-Baseball-Mannschaft mit eigenem Stadion und eine Kreditkartengesellschaft, baute Hotelkomplexe und Ladenstraßen, eröffnete Restaurants und Rund-um-die Uhr-Geschäfte. Vor allem auf dem Grundstücksmarkt hatte sich das Unternehmen mächtig verspekuliert.
Obwohl bereits einiges Tafelsilber verkauft wurde, umfasste die Daiei-Gruppe heuer noch 114 verschiedene Unternehmen. Daiei steht heute vor einem Schuldenberg von einer Billion Yen (7,4 Mrd. Euro). Dabei haben die Gläubigerbanken bereits Verbindlichkeiten von 400 Mrd. Yen erlassen und in den zurückliegenden drei Jahren zusätzliche Finanzspritzen in Höhe von 640 Mrd. Yen gewährt.