Gastkommentar

Das christlich-humanistische Erbe neu verstehen

Europa muss sich entscheiden, ob es politischer Akteur bleibt oder zum traurigen Wurmfortsatz anderer Erdteile wird.

Europa muss sich jetzt langsam entscheiden: Bleibt es inmitten all der Krisen politischer Akteur mit Einfluss, oder wird es zum traurigen Wurmfortsatz anderer Erdteile? Vernünftige Chancen, diese Krisen zu meistern, gibt es nur, wenn die Europäer zu einem starken Gemeinsinn und zu Solidarität finden, also „Europa lieben lernen“. Neun Monate vor den kommenden Europa-Wahlen sollte darüber gut nachgedacht und diskutiert werden!

Das Christentum hat den entscheidenden Grundstein für den außerordentlichen und weltweiten Erfolg der westlichen Zivilisation gelegt, als es im 13. Jahrhundert mit der Wiederentdeckung der Philosophie des Aristoteles eine höchst pragmatische Verbindung aus idealistischer „Sonntagswelt“ und realistischer „Werktagswelt“ entwickelte. Das führte freilich oft zu Doppelstandards, die die moralische Integrität des Christentums ernstlich geschwächt haben.

Europa lieben lernen!

Noch immer unter dem Eindruck von über tausend Jahren mit Sonntagspredigten setzte sich daher der rationale Humanismus der Aufklärung gegen den Einfluss einer korrumpierten christlichen „Werktagswelt“ zur Wehr und begründete viele Ideen der „Sonntagswelt“ nun auf der Basis von Vernunft statt Transzendenz – so etwa Individualität und Menschenwürde, Minderheitenrechte, Demokratie, Toleranz und soziale Verantwortung.

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