Gastkommentar

Wie muss die Freiheit an Schulen aussehen?

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Gastkommentar. Der Streit über das Tragen der „Abaya“ an Schulen beschert Frankreich wieder einmal eine Debatte über den Laizismus.

Frankreichs neuer junger Bildungsminister Gabriel Attal verbietet das Tragen der Abaya in der Schule und 81% der Franzosen stimmen dem zu. Dieses lange und weite Kleid soll die weibliche Figur verdecken, aber viele sehen darin eine krasse Herausforderung für die „Laïcité“. (In Frankreich besteht Laizismus, der vor allem mit einem religionsfreien Schulunterricht einhergeht.)

So weit, so gut? Nein. Trotz der Erleichterung vieler Lehrer, dass die Regierung eine klare Entscheidung getroffen hat, werden wir früher oder später vor einer ähnlichen Situation stehen. Seit gut zwei Jahrzehnten verfolgt mein Land akribisch jedes äußerliche Zeichen einer überhöhten Religiosität in öffentlichen Schulen oder im öffentlichen Raum: nach dem Kopftuch 2004, dem Burkini auf Stränden, nach dem „integralen“ Schleier auf der Straße und dem „Bandana“ wieder in der Schule, folgt nun die Abaya.

Eine Minderheit wird wohl von religiösen Fanatikern auf sozialen Medien dazu ermutigt, die Abaya zu tragen. Aber die Mehrheit wollte wahrscheinlich nur „die Grenzen überprüfen“ – ein Klassiker für Jugendliche.

Kleidungsguerilla mit Erfolg

Ich kann mich noch daran erinnern, dass in einer Klosterschule in Marseille viele Mädchen eines Tages mit „couettes“ (losen Zöpfen) in ihrem Haar erschienen sind, nur weil die Nonnen diese Frisur verboten hatten. Alle Bewunderinnen der blutjungen französischen Popsängerin Sheila, dessen „couettes“ ein Markenzeichen geworden waren? Mitnichten. Es war eine stille Demonstration gegen das Verbot.

Diese Kleidungsguerilla mag derzeit zwar erfolgreich sein. Aber um den Preis, dass sich viele Muslime, auch die sehr moderaten, diskriminiert fühlen. Seit Jahren hält sich in Frankreich etwa auch die Kontroverse, ob verschleierte Mütter Schulausflüge begleiten dürfen oder nicht.

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