EU: Kfz-Werkstätten auf Verliererseite

Die Vergrößerung der EU ist für Österreich ein Gewinn - freilich nicht für alle Branchen und nicht für alle Betriebe.

WIEN. Die Erweiterung der Europäischen Union ab dem 1. Mai wird zwar unterm Strich Österreich ein Wirtschaftswachstum bringen. Aber es gibt auch Verlierer, und manche Menschen müssen wegen der Erweiterung sogar um ihren Arbeitsplatz zittern. In den Speditionen etwa werden rund 400 Personen abgebaut werden, schätzt Ernst Pollack, in der Wirtschaftskammer für die Spediteure zuständig.

Wenig betroffen seien nur die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Salzburg. "Für manche kleine Verzollungsbüros an der österreichisch-ungarischen Grenze bedeutet die Erweiterung das Aus", sagt Pollack. "Ich lehne es ab, zu sagen, dass die Erweiterung für eine Branche gut oder schlecht ist. Es hängt von den Unternehmen ab."

Diese Ansicht teilt auch Georg Toifl, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk. "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Deshalb muss man an die Herausforderungen positiv und an Kunden aktiv herangehen." Weniger positiv sieht die Erweiterung Friedrich Nagl, Landesinnungsmeister der Kraftfahrzeugtechniker Niederösterreichs. "Ich glaube, dass die Erweiterung Probleme für die gesamte Wirtschaft Österreichs mit sich bringt, nicht nur für die Kfz-Techniker."

Vor allem in Randbezirken sei die Konkurrenz der Autowerkstätten jenseits der Grenzen sehr groß. "Die Stundensätze liegen dort bei 20 bis 25 Euro", sagt Nagl. Mit diesen Preisen können Österreicher nicht mithalten. Daher rechnet er mit einer weiteren Zunahme des Reparatur-Tourismus und mit einem Rückgang der Arbeitsplätze. "Wir appellieren deshalb an die Österreicher, die ja bei uns auch die Vorzüge des Sozialstaats genießen, ihr Geld im Land zu lassen. Und wir können nur darauf setzen, dass unsere Qualität und unsere hervorragende Ausbildung zieht."

Auch Paul Blachnik vom Fachverband der Autobusunternehmen sieht für seine Branche schlechte Zeiten kommen. Mit 1. Mai dürfen etwa ungarische Busfahrer auch eine Fahrt innerhalb Österreichs (beispielsweise von Wien nach Graz) anbieten. Vor allem in den Personalkosten liegt der Unterschied: Busfahrer aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei kosten nur rund ein Drittel der österreichischen Busfahrer. "Wir hätten hier auch Übergangsfristen gebraucht", sagt Blachnik.

Insgesamt werde vor allem der Dienstleistungssektor einem stärkeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt, meint Ökonom Gerhard Palme vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Einige Branchen, etwa das Bauhaupt- und Nebengewerbe, sind vorerst durch Übergangsfristen geschützt, die spätestens in sieben Jahren auslaufen. Danach können auch Baufirmen aus den Beitrittsländern in Österreich ihre Dienstleistungen anbieten. Für die heimischen Baufirmen, die derzeit meist in einem kleinen, aber geschützten Radius von 100 bis 200 Kilometern tätig sind, werde das eine harte Konkurrenz bedeuten.

Abschwächen werde sich der derzeitige Überschuss beim Handel: Die heimischen Händler profitierten bereits jetzt stark von Kunden aus Beitrittsländern. "Die Nachbarn kaufen mehr bei uns ein als umgekehrt." Wenn das Angebot bei mittel- bis langfristigen Gütern (Möbel, Elektrogeräte) auch in den Beitrittsländern besser werde, reduziere sich der Vorteil für österreichische Händler in Grenzregionen. Die Beschäftigten in der heimischen Industrie hätten dagegen nichts mehr zu befürchten, so Palme. Dort sei alles gelaufen: Wer auslagern wolle, habe das schon getan.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.