Eine Studie fragt, warum in manchen Ländern die Arbeitslosenrate bei Frauen höher ist als bei Männern.
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ast überall auf der Welt ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen geringer als jene der Männer. Doch auch die Arbeitslosenraten (Anteil jener Personen, die in den vergangenen vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben) von Männern und Frauen sehen sehr unterschiedlich aus. In Spanien waren Ende der 90er Jahre elf Prozent der Männer und 22,91 Prozent der Frauen arbeitslos - um 11,91 Prozentpunkte mehr Frauen als Männer. Spanien ist somit das OECD-Land mit dem größten "Gender Gap" (11,91) bei den Arbeitslosenraten.
Die mediterranen Länder Spanien, Griechenland und Italien sind "High-Gap"-Länder. Zum Vergleich: In Österreich betrug das "Gender Gap" 1999 nur 0,16, in Großbritannien minus 1,68: Dort waren um 1,68 Prozentpunkte weniger Frauen arbeitslos als Männer. Eine Studie des "Centre for Economic Performance" der "London School of Economics and Political Science" sucht nach Gründen für das "Gender Gap".
Die familiären Pflichten sind jedenfalls nicht schuld: Deswegen verlieren Frauen nicht öfter ihre Arbeit als Männer, sie steigen nur häufiger aus dem Erwerbsleben aus, scheinen dann aber auch nicht in den Arbeitslosenraten auf.
Eine andere Hypothese ist, dass Frauen mehr von Sozialleistungen profitieren (weil die Differenz zwischen ihren meist niedrigeren Einkommen und der Arbeitslosenunterstützung geringer ist als bei Männern) und es sich daher für sie eher rentiert, arbeitslos zu sein. Falsch, zeigt die Studie: Zum einen haben arbeitslose Frauen in fast allen OECD-Ländern seltener Anspruch auf Transferleistungen bei Arbeitslosigkeit als Männer, weil sie öfter einen gut verdienenden Ehepartner haben. Dazu kommt, dass in den "High-Gap"-Ländern arbeitslose Frauen meist höher qualifiziert sind als arbeitslose Männer. Grund ist, dass dort die Erwerbsbeteiligung von Frauen überhaupt niedriger ist. Geringer qualifizierte Frauen ziehen sich dort schneller aus dem Erwerbsleben zurück, bevor sie arbeitslos werden. Bei höher qualifizierten Frauen ist aber auch der Einkommensverlust durch Arbeitslosigkeit stärker, sodass es sich für sie nicht auszahlt, arbeitslos zu sein. Am "Gender Gap" sind hohe Sozialleistungen also nicht schuld.
Auch, dass arbeitslose Frauen weniger ernsthaft nach Arbeit suchen als Männer, treffe demnach nicht zu, weil sich gerade in "High-Gap"-Ländern Frauen, die keine Arbeit suchen, meist aus dem Erwerbsleben zurückziehen.
Der einzige Zusammenhang, den die Studien-Autoren ausmachen konnten, war der zwischen "Gender Gap" und Vorurteil: In Ländern, wo mehr Menschen der Aussage "Wenn Jobs rar sind, sollten sie eher Männer bekommen als Frauen" zustimmen, ist das "Gender Gap" höher. Das lässt sich auch bei den Regionen feststellen: In mediterranen Ländern - und dort speziell in Süditalien - sind sowohl "Gender Gap" als auch Vorurteile hoch.
http://cep.lse.ac.uk/pubs/download/dp0607.pdf