Der Chef der Arbeitslosen-Behörde in Deutschland, Florian Gerster (SPD), stolperte über eine Affäre um Beraterverträge.
BERLIN. Er schicke den "besten Mann auf die wichtigste Baustelle", hatte Deutschlands Kanzler Gerhard Schröder gesagt, als er Florian Gerster im Frühjahr 2002 zum Chef der Bundesanstalt für Arbeit ernannte. Kaum zwei Jahre später muss der 54-jährige Sozialdemokrat seinen Posten in Nürnberg räumen. Am Wochenende entzog ihm der Verwaltungsrat der mittlerweile in Bundesagentur für Arbeit umbenannten Behörde das Vertrauen.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) blieb danach nichts anderes übrig, als den Herrn über Deutschlands vier Millionen zählendes Arbeitslosenheer "mit Bedauern" zu entlassen. Ein Nachfolger soll im Laufe des kommenden Monats bestimmt werden. Ein Politiker möge es diesmal nicht sein, legte sich Clement schon fest. Denn die Jagd auf Gerster habe offenbar auch parteipolitische Züge getragen.
Feinde hatte der ehemalige Sozialminister von Rheinland-Pfalz viele, nicht zuletzt in den Reihen der Genossen. Den Gewerkschaften galt er als Terminator des Sozialstaats, seit er gefordert hatte, das Arbeitslosengeld zu kürzen. Auch im eigenen Haus, das er zu einer modernen Dienstleistungsagentur umbauen wollte, machte sich Gerster schnell unbeliebt. Die Bundesanstalt für Arbeit könne locker mit der Hälfte ihrer 90.000 Mitarbeiter auskommen, erklärte er gleich nach seinem Amtsantritt.
Sein arrogantes Auftreten tat ein Übriges, um die Schar der Gegner anwachsen zu lassen. Sie warteten nur auf den richtigen Moment, um den forschen Oberstleutnant der Reserve abservieren zu können. Richtig eng für Gerster wurde es Ende November, als bekannt wurde, dass er an die Berliner Lobby-Agentur WMP Eurocom einen Beratervertrag über 1,5 Mill. Euro vergeben hatte, und zwar ohne Ausschreibung. WMP stieg aus dem Deal aus und Gerster konnte seinen Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen. Seinen Protektoren in der Bundesregierung versicherte er, es gebe keine weiteren Fälle dieser Art. Eineinhalb Monate später tauchten die nächsten Berichte über fragwürdige Konsulentenverträge auf.
In Nürnberg musste die Innenrevision ans Werk. Sie stellte bei zwei Aufträgen gravierende Verstöße gegen das Vergaberecht fest, bei zehn weiteren formale Fehler. Ob Gerster für die Vorgänge persönlich verantwortlich ist, spielte nur mehr eine untergeordnete Rolle. Er hatte mit seiner Dauerpräsenz in den Negativ-Schlagzeilen seinen Kredit verspielt.
Der Zeitpunkt für seine Ablöse hätte kaum ungünstiger ausfallen können. Denn die Nürnberger Mammut-Behörde steckt in einem Umstrukturierungsprozess. Noch heuer soll die Sozial- und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt werden. Auch die Betreuung will man drastisch intensivieren. Geplant ist, dass ein Vermittler künftig nur noch für 70 Arbeitslose zuständig ist. Bis die neue Organisation steht, wird es noch dauern. Schröders "bester Mann" hinterlässt eine Baustelle.