Adlon -Affäre: Welteke steht auf der Kippe

Die Stunden von Ernst Welteke als Chef der Deutschen Bundesbank scheinen gezählt.

Berlin. Freiwillig wollte Bundesbank-Präsident Ernst Welteke nicht den Hut nehmen: "Ich gehe davon aus, dass ich in meinem Leben nie etwas getan habe, was meine Unabhängigkeit und meine Amtsführung hier und in früheren Ämtern hätte beeinträchtigen können", sagte der 61-jährige Hesse am Mittwoch zu Mittag im ZDF. Fast zur selben Zeit trat der Vorstand der deutschen Notenbank zu einer Krisensitzung zusammen, um über den Kopf des abwesenden Welteke zu entscheiden.

Welteke, dessen Jahresgage sich auf mehr als 350.000 Euro beläuft, ist in der Bredouille, weil er sich und seine Familie von der Dresdner Bank für vier Tage ins Berliner Nobelhotel Adlon einladen ließ. Gesamtkosten, samt Bügeldienst und Minibar: 7661 Euro und 20 Cent. Anlass war eine Gala zur Euro-Einführung Silvester 2001.

Am vergangenen Wochenende erinnerte "Der Spiegel" den Bundesbank-Präsidenten und mit ihm die deutsche Öffentlichkeit an die damalige Freudenfeier. Welteke reagierte zunächst mürrisch, am Montag raffte er sich dazu auf, den privaten Teil der Rechnung zu beglichen, den dienstlichen übernahm die Bundesbank. Doch die Affäre war damit nicht aus der Welt geschafft. Denn der politische Druck ließ nicht nach.

Im Stundentakt liefen die Rücktrittsforderungen über die Nachrichtenticker, auch aus den Reihen der rot-grünen Koalition. Der Ruf der Bundesbank war in Gefahr.

Als zu allem Überdruss noch die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Vorteilnahme Ermittlungen gegen Welteke einleitete, war endgültig Feuer am Dach. Fluchtartig ging die Regierung nun auf Distanz zum bedrängten Notenbankchef. Finanzminister Hans Eichel appellierte am Mittwoch an die Bundesbank, die Angelegenheit "zügig und umfassend" aufzuklären.

Für Aufregung sorgten zudem Meldungen der "Bild"-Zeitung, wonach auch eine österreichische Bank Welteke rund um den Opernball im März 2000 einen mehrtägigen Urlaub bezahlt habe. Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher erklärte, dass er den deutschen Kollegen und dessen Frau damals lediglich in seine Opernball-Loge eingeladen habe und, wie das üblich sei, die Hotelrechnung übernommen habe. Ein Urlaub sei nicht gezahlt worden.

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