Höhere EU- und US-Sicherheitsstandards verteuern Luftfracht.
Wien. Alle Paletten, die der Logistikdienstleister TNT Express Austria von Wien aus auf Luftreise schickt, laufen über ein eigenes Röntgengerät für Paletten. Die Mitarbeiter vor den Monitoren werden alle zwanzig Minuten ausgewechselt, damit ihre volle Konzentration garantiert ist. Manchmal werden auch Fotos von "Bomben" eingespielt, um zu testen, ob sie erkannt würden. Erscheint etwas Zweifelhaftes auf dem Monitor, wird das Frachtstück mit einem chemischen Verfahren auf Sprengstoff untersucht. Die Lager sind videoüberwacht, nur bestimmte Mitarbeiter haben Zutritt. Die Ware wird dann in versiegelten Lkw zum Flughafen geführt.
"Sonst hätten wir dann auf dem Flughafen eine zu lange Anlaufzeit", erklärt TNT Express Austria-Geschäftsführer Helmut Steiner. Denn dann müsste die gesamte Prozedur auf dem Flughafen erfolgen. Und das würde Zeit kosten, was für den Expressdienstleister ein Wettbewerbsnachteil wäre.
Die hohen Sicherheitsbestimmungen schreibt eine EU-Verordnung (2320/2002) vor, die Anfang 2004 in Kraft getreten ist: Die Fluglinien müssen bei "unbekannten Versendern" - solchen, die sich nicht formell zur Einhaltung bestimmter Sicherheitsstandards verpflichtet haben - technische Sicherheitskontrollen anwenden. Die "bekannten" werden nur stichprobenartig überprüft.
Von den Spediteuren verlangen auch die USA zusätzliche Sicherheitsgarantien. "Es ist schwieriger geworden, der Verwaltungsaufwand ist enorm", sagt Franz Braunsberger, Leiter der Abteilung Luftfracht beim Spediteur Kühne & Nagel Österreich. Seit Ende 2002 müssen Spediteure, Reedereien und Airlines, die Fracht in die USA bringen wollen, 24 Stunden vor Verladen der Fracht im Abgangsflughafen oder -hafen die Fahrtroute, den Verlader, den Verlade(flug)hafen, die genaue Warenbezeichnung, Gewichtsangaben etc. der US-Zollbehörde mitteilen.
Ähnlich wie bei der EU-Fracht muss der Verlader auch bei den in die USA abgehenden Sendungen nach einem vorgegebenen Fragebogen Sicherheitstests durchführen und sich zur Einhaltung bestimmter Richtlinien bei Verpackung, Ausbildung der Mitarbeiter und Zugangskontrollen verpflichten. Die Einhaltung wird stichprobenartig vom Zoll überprüft. Dafür erfolgt dann in den USA die Abfertigung schneller oder und auch nur stichprobenartig. Wer trägt letztlich die Mehrkosten? "Wir oder der Kunde, das wird der Markt entscheiden", sagt Braunsberger.