Vermieter von Arbeitskräften würden gern Krankenpfleger "ausleihen". Das Gesetz lässt das aber noch nicht zu.
Wien. Der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal steigt. Das Wirtschaftsministerium geht von einer zusätzlichen Nachfrage nach 5500 Pflegepersonen für 2010 und von 18.000 für 2020 aus. Die Drop-Out-Rate ist bei Pflegeberufen hoch: Im Schnitt steigen Schwestern und Pfleger nach fünf Jahren Arbeit aus. "Viele haben Kinder und würden gern Teilzeit oder nur fallweise arbeiten", ist Gerhard Flenreiss, Berufsgruppenobmann der Arbeitskräfteüberlasser und Geschäftsführer des Personaldienstleisters Manpower, überzeugt. In Krankenhäusern sei das aber organisatorisch schwierig.
"Wir könnten das organisieren", meint Flenreiss. Seine Firma stellt Leiharbeitskräfte an und vermietet sie bei Bedarf an alle Branchen. Nun sieht er auch im Gesundheitswesen einen Markt für seine Dienstleistung. "Tausende Krankenschwestern und Pfleger" würden sich gern vermieten lassen, schätzt Flenreiss. Doch das Bundesgesetz über Gesundheits- und Krankenpflegeberufe (GuKG) erlaubt ihnen nur Dienstverhältnisse mit Ärzten, Gebietskörperschaften etc. "Das ist willkürlich und nicht nachvollziehbar", klagt Flenreiss. Er appelliert nun an die Politik, das zu ändern.
Im Gesundheitsministerium ist man nicht abgeneigt: "Der Wunsch liegt auf dem Tisch, eine Änderung ist nicht ausgeschlossen", sagt Gerhard Aigner, Leiter der Gruppe Rechtsangelegenheiten im Gesundheitsministerium. Der Grund für den derzeitigen Passus sei aber nicht Willkür: "In Krankenhäusern wird Teamarbeit geleistet, da ist es wichtig, dass alle gut aufeinander abgestimmt sind." Wenn Pfleger in kurzen Intervallen wechseln, "kann das gefährliche Auswirkungen haben".
Künftig könnte es aber Stamm- und Ergänzungspersonal geben. Letzteres könnte auch von Arbeitskräfteüberlassern vermietet werden: "Vor allem kleine Träger mit nur einem Spital, zum Beispiel Orden, können dann plötzliche Engpässe besser überbrücken."
Flenreiss fordert auch neue Ausbildungsmodelle. Pflegepersonal sollte nicht nur aus Schwesternschulen kommen. "Wir würden sie auch selbst ausbilden", schlägt er vor. Freilich könne man das "nicht privat" finanzieren, sondern mit dem AMS als Partner. Neuen Modellen in der Ausbildung ist auch das Ministerium nicht abgeneigt. "Der Output der vorhandenen Bildungseinrichtungen und der Bedarf klaffen auseinander", gibt Aigner zu. Vorerst seien aber hier die Experten am Werk.