2003 stagnierten die österreichischen Exporte nach Deutschland zum ersten Mal seit 20 Jahren.
Berlin. Wenn Deutschland durchhängt, dann atmet auch Österreich flacher. Erstmals seit zwei Dekaden stagnierten im Vorjahr die österreichischen Exporte ins Nachbarland, und zwar bei einem Gesamtwert von 25 Mrd. Euro. Nach einem Rückgang im ersten Halbjahr betrug die Steigerungsrate bei den Ausfuhren unter dem Strich gerade einmal 0,93 Prozent. Dies sei keine besonders erfreuliche Entwicklung, erklärte der Leiter der österreichischen Außenhandelsstelle in Berlin, Walter Pöschl, vor Korrespondenten.
Die Chancen für eine Wiederauferstehung der deutschen Konjunktur bewertete er mit verhaltenem Optimismus. Schon in den vergangenen Jahren habe man Wachstumsprognosen sukzessive in Richtung einer deprimierenden Null zurückschrauben müssen. Diesmal setzt Pöschl seine Hoffnung vor allem darauf, dass die Weltkonjunktur, der Aufschwung in den USA, Asien und den neuen EU-Ländern Deutschland mitreißt und in der Folge auch österreichischen Exporteuren Freude bereitet.
Tatsächlich zögen die Investitionen in Deutschland langsam wieder an. Warnend wies der Handelsdelegierte dabei jedoch auf die dramatischen Einsparungen der öffentlichen Hand in Deutschland hin. Die Deutsche Bahn etwa hat zuletzt mehrere Großprojekte auf Eis gelegt.
Den Investitionsstopp bekommen natürlich auch österreichische Unternehmen zu spüren, die mit Aufträgen gerechnet hatten. In guten wie in schlechten Zeiten ist und bleibt Deutschland der eindeutig wichtigste Handelspartner Österreichs. 32 Prozent aller österreichischen Exporte fanden auch im Vorjahr ihren Weg zum großen Bruder, vor allem nach Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
2003 war die Entwicklung leicht rückläufig. Die Exporte der Automobilzulieferindustrie sanken um 2,1 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Obwohl die Deutschen den Gürtel enger schnallen mussten, verloren sie nicht den Appetit auf alpenländische Lebensmittel, insbesondere auf Fleisch. Die Zuwachsrate für Leckereien aller Art betrug stolze 10,9 Prozent. Insgesamt verschwanden Waren im Gesamtwert von 1,2 Mrd. Euro in den Mägen der Deutschen.
Rückschläge mussten allerdings die Getränkehersteller hinnehmen, vor allem die Produzenten von Bier (minus 29,4 Prozent) und Mineralwasser (minus 50,3 Prozent). Eine Folge des umstrittenen Dosenpfands, oder wie es im Beamtendeutsch heißt: der Pfandpflicht auf Einweggetränkeverpackungen, mit der seit dem Vorjahr deutsche Supermärkte und ihre Kunden gequält werden.