Es geht ans Eingemachte

Im Tarifkonflikt in der deutschen Metallindustrie geht es nicht nur um Lohnerhöhungen.

BERLIN. Noch sind es nur Warnstreiks, die von den Gewerkschaftern der IG Metall organisiert werden. Doch langsam steigen die Tarifpartner die Eskalationsleiter empor. Vor der Drohkulisse wird immer noch verhandelt, mindestens bis zum 11. Februar, heißt es.

Die östlichen Bundesländer sind von den Aktionen bisher weitgehend ausgenommen. Zu tief sitzt den dortigen Regionalverbänden der IG Metall ihre verheerende Niederlage aus dem Frühjahr 2003 in den Knochen, als sie einen Streik für die Einführung der 35-Stunden-Woche ergebnislos abbrechen mussten. Diese Scharte wollen die Gewerkschafter in der jetzigen Tarifrunde wieder auswetzen. Den Unternehmen soll demonstriert werden, dass mit den 2,5 Millionen Mitgliedern der IG Metall immer noch zu rechnen ist.

Bei den Verhandlungen geht es nicht nur um die vier Prozent Lohnerhöhung, die Arbeitnehmer fordern und Arbeitgeber nicht zahlen wollen. Es geht um mehr, es geht ans Eingemachte. Die Unternehmer zielen mit ihren Vorstößen auf das Herz der deutschen Gewerkschaften. Nach ihren Plänen soll man künftig je nach Wirtschaftslage in den einzelnen Betrieben entscheiden, ob 35 oder 40 Stunden gearbeitet wird und ob es dafür Lohnausgleich gibt oder nicht. Ihr jeweiliges Vorgehen wollen die Manager mit Betriebsräten abstimmen, nicht aber mit Gewerkschaftsfunktionären.

Jürgen Peters, als Scharfmacher im Ost-Streik gescheitert und danach trotzdem zum Chef der IG Metall gewählt, hat zu den roten Fahnen gerufen. Sein Schlachtruf: Es sei unverschämt, eine Arbeitszeitverlängerung zum Nulltarif zu verlangen. Zudem gingen durch die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche mehr als 400.000 Arbeitsplätze verloren, rechneten er vor.

Für Werner Patzelt, einen bayerischen Politologen an der TU Dresden, fällt derlei in die Kategorie "unsinniger Milchmädchenrechnungen", die auf der Annahme eines geschlossenen Wirtschaftssystems ohne Konkurrenz von außen basiere. Zur wirklichen Welt hätten "Job-Killer-Formeln", wie sie die IG Metall momentan in die Schlacht werfe, keinen Bezug.

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