Unwetter

Hunderte demonstrieren in Libyen für Aufklärung der Katastrophe

Der libysche Staatsanwalt Al-Sedik al-Sur hat wegen der Dammbrüche Ermittlungen aufgenommen. 
Der libysche Staatsanwalt Al-Sedik al-Sur hat wegen der Dammbrüche Ermittlungen aufgenommen. APA / AFP / Abdullah Doma
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Der Protest sei eine Botschaft, dass „die Regierungen bei der Bewältigung der Krise versagt haben“. Die Verantwortlichen will man nun zur Rechenschaft ziehen.

Hunderte Menschen haben am Montag in der stark von Überschwemmungen betroffen Hafenstadt Darna in Libyen für die Absetzung des Gemeinderats und eine Vereinigung Libyens protestiert. Der libysche TV-Sender Al-Masar zeigte Aufnahmen, in denen die Demonstrierenden forderten, dass die Verantwortlichen der Katastrophe zur Rechenschaft gezogen würden.

Nach Aussagen von Augenzeugen sollen Demonstrierende am Abend auch probiert haben, das Haus des zur Zeit suspendierten Bürgermeisters Abdel-Moneim al-Gheithy in Brand zu setzen. Durch die verheerenden Überschwemmungen sind auch zwei Dämme in Darna gebrochen. Den Behörden wird vorgeworfen, diese nicht ordnungsgemäß in Stand gehalten und somit zum Ausmaß der Katastrophe beigetragen zu haben.

Der Student Said Mansour forderte, dass untersucht werden müsse, warum die Dämme zusammengebrochen seien. Denn dadurch hätten „wir Tausende unserer geliebten Menschen verloren“. Der 39-jährige Taha Miftah sagte, der Protest sei eine Botschaft, dass „die Regierungen bei der Bewältigung der Krise versagt haben“, wobei er dem Parlament eine besondere Schuld zuschrieb. Er verlangte eine internationale Untersuchung der Katastrophe und „einen Wiederaufbau unter internationaler Aufsicht“.

Rissige Dämme trotz Gelder für Wartung

Darna wurde besonders schwer von der Flutkatastrophe getroffen. Genaue Zahlen, wie viele Menschen den schweren Überschwemmungen im Osten Libyens zum Opfer fielen, haben die örtlichen Behörden bisher nicht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis Ende vergangener Woche rund 4000 Todesopfer identifiziert und mit Totenscheinen registriert.

Der libysche Staatsanwalt Al-Sedik al-Sur hat wegen der Dammbrüche Ermittlungen aufgenommen. Die Dämme sollen Risse gehabt haben, und es soll Geld für die Instandhaltung bereitgestellt worden sein. Der Staatsanwalt will den Verbleib der Gelder nun klären. Dernas Bürgermeister Al-Gheithy wurde außerdem vorerst von seinem Amt suspendiert.

Libyen ist faktisch zweigeteilt ist. Das Bürgerkriegsland hat im Westen eine Regierung, die international anerkannt ist. Im Osten, wo der Sturm „Daniel“ besonders großen Schaden angerichtet hat, herrscht eine andere Regierung, die international nicht anerkannt ist. „Daniel“ hatte Libyen am 10. September erfasst. (APA)

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