Posten: Ein Ire als neuer Kommissionspräsident?

Der Endspurt für die Nominierung der Prodi-Nachfolge hat begonnen. Ganz vorne sind derzeit zwei Iren und ein Brite.

STRASSBURG. Pat Cox ist beliebt. Als er diese Woche sein Amt als Präsident des Europaparlaments niederlegte, wurde er im Straßburger Plenum gefeiert. Selbst jene, die ihn einst verhindern wollten, wie der SPE-Chef Enrique Baron Crespo, streuten ihm zum Abschied Blumen. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi gab sich besonders herzlich. Immerhin könnte der liberale Ire im Herbst sein Nachfolger werden. Cox gilt im Rennen um den Brüsseler EU-Chef derzeit als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Ein Sprecher der irischen Regierung kündigte an, dass Cox als irischer Kommissar nominiert werde, sollte er reelle Aussicht auf die Prodi-Nachfolge haben.

Der irische Premier Bertie Ahern will in den nächsten Wochen mit allen EU-Regierungen eine gemeinsame Liste von Kandidaten zusammenstellen. Auch er selbst könnte sich darauf wiederfinden. Denn nach dem linksliberalen Italiener Romano Prodi passt ein rechtsliberaler wie Ahern gut in das Bild einer ausgeglichenen politischen Rotation bei hohen EU-Posten. Mit Cox oder Ahern dürfte auch die Europäische Volkspartei (EVP) leben können, die nach den Europawahlen im EU-Parlament die Mehrheit haben dürfte. Lieber wäre ihr freilich ein Kandidat aus den eigenen Reihen. Nachdem der von der deutschen CDU favorisierte österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Widerstand Frankreichs scheitern dürfte, ist nun der britische Konservative Chris Patten ins Gespräch gekommen. Patten gilt als EU-freundlicher Tory-Politiker, der seine Fähigkeiten als Außenkommissar nicht voll ausspielen konnte. In dieser Position war er bloß zweiter Mann hinter EU-Außenkoordinator Javier Solana.

Patten, der sich eigentlich nach dem Auslaufen der Kommissarstätigkeit seinen Verpflichtungen an der Universität Oxford widmen wollte, wäre eine "Person für den Posten", sagte kürzlich der französische Ex-Präsident Val©ry Giscard d'Estaing. Der EU-Konventspräsident sieht Patten wohl auch als Signal, das den Briten eine Zustimmung zur EU-Verfassung erleichtern könnte. Für den britischen Premier Tony Blair wäre Patten ebenfalls von Vorteil, würde er doch den Druck der Opposition auf die europafreundliche Politik der Regierung nehmen. Gegen Patten spricht, dass er so wie Prodi aus einem der großen Mitgliedsstaaten kommt.

Eigentlich käme nach Italien diesmal ein Kandidat aus einem kleinen EU-Land an die Reihe. Spekuliert wird deshalb auch, ob der belgische Premier Guy Verhofstadt nominiert wird. Er würde selbst gerne den hohen EU-Posten übernehmen. Chancen hat neben dem Luxemburger Premier Jean-Claude Junker, der sich aber ziert, auch der österreichische Landwirtschaftskommissar Franz Fischler. Er wird nach wie vor als möglicher Kompromisskandidat genannt.

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