EU-Karriere: Schüssel besucht Chirac

Erstmals nach den Sanktionen der EU-14 wird Bundeskanzler Wolfgang Schüssel von der französischen Regierung nach Paris eingeladen.

WIEN/PARIS. Erstmals nach den Sanktionen der EU-14 wird Bundeskanzler Wolfgang Schüssel von der französischen Regierung nach Paris eingeladen. Dies bestätigte ein hochrangiger französischer Diplomat der "Presse".

Laut der französischen Botschaft in Wien geht es um die seit Herbst begonnene "Intensivierung der bilateralen Beziehungen". Allerdings dürfte auch die Bestellung des nächsten EU-Kommissionspräsidenten bei den Treffen mit der französischen Führung thematisiert werden. Schüssel gilt als ein Kandidat für die Nachfolge von Romano Prodi in Brüssel.

An den letzten Details für die Treffen mit Premier Jean-Pierre Raffarin und Staatspräsident Jacques Chirac wurde am Montag noch in Wien und Paris gefeilt. Der Besuch soll nach den französischen Regionalwahlen voraussichtlich im April stattfinden.

Trotz anderslautenden Wortmeldungen etwa des französischen Europaabgeordneten Charles Pasqua, der noch immer Vorbehalte gegen Schüssel in der französischen Führung sieht, will Paris das Verhältnis mit der österreichischen Bundesregierung weiter verbessern. Im Zuge der im vergangenen Herbst vom französischen Außenminister Dominique de Villepin in Wien ausgerufenen Wiederherstellung normaler Beziehungen geht es seit kurzem Schlag auf Schlag. Vor zehn Tagen war Bundespräsident Thomas Klestil zu einem offiziellen Arbeitsbesuch bei seinem französischen Amtskollegen Chirac in Paris und konnte dort verkünden, dass sämtliche Schatten im österreichisch-französischen Verhältnis gebannt seien. Am kommenden Mittwoch und Donnerstag ist Verteidigungsminister Günther Platter mit seinem Besuch bei seiner Pariser Amtskollegin Michele Alliot-Marie an der Reihe. Nach Bundeskanzler Schüssel wird ebenso noch im April auch der österreichische Parlamentspräsident Andreas Khol in Paris erwartet. Im Gegenzug wird auch ein Besuch des französischen Premierminister Raffarin in Wien vorbereitet.

Die Schüssel-Visite fällt gerade in die heiße Phase der Personaldiskussion in der EU. Denn im Juni werden die Staats- und Regierungschefs der Union gemeinsam die Neubesetzung der Kommission beschließen. Neben Schüssel werden auch der finnische Ministerpräsident Paavo Lipponen, der portugiesische EU-Kommissar Antonio Vitorino und der Luxemburger Regierungschef Jean-Claude Juncker als aussichtsreiche Kandidaten gehandelt. Schüssel hat zuletzt betont, dass er noch nicht gefragt wurde.

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