Umfrage: Ein emotionales, kein rationales Problem

Die Stimmung zur Erweiterung ist schlecht, aber die Österreicher sehen gleichzeitig die Vorteile, die sie bereits aus der Ostöffnung gezogen haben.

Wien. 15 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben die Österreicher noch immer ein ambivalentes Verhältnis zu ihren Nachbarn. Eine noch nicht veröffentlichte europaweite Umfragen (Eurobarometer) zeigt Österreich erneut als eines der Länder mit der schlechtesten Erweiterungsstimmung. Laut EU-Kreisen haben sich die Zahlen weiter verschlechtert. Bereits in der letzten Umfrage hat eine knappe Mehrheit der heimischen Bevölkerung die Erweiterung abgelehnt. Im Gegensatz dazu zeigt nun eine neue Umfrage im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik, dass der Bevölkerung in den grenznahen Gebieten sehr wohl auch die Vorteile der Ostöffnung bewusst sind.

Die Erweiterung erscheint bei der Gegenüberstellung dieser beiden Umfragen eher als ein emotionales denn als ein rationales Problem: Gefragt, ob die Öffnung der Grenzen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mehr Vorteile oder Nachteile für das angrenzende Bundesland gebracht hat, zeigt sich nämlich eine deutlich positive Haltung (siehe Grafik). Selbst bei der Frage nach den persönlichen Vor- und Nachteilen gibt es einen klaren Überhang der Vorteile. Die Mehrheit stellt allerdings fest, dass sich eigentlich nichts geändert hat. So sind beispielsweise 33 Prozent der Niederösterreicher der Ansicht, dass die Ostöffnung für sie eine Verbesserung gebracht habe, 15 Prozent orten neue Probleme und 50 Prozent sind der Ansicht, dass eigentlich alles beim Alten geblieben ist (Rest: keine Angaben).

Bei den in Zukunft erwarteten Vor- und Nachteilen differenziert die Bevölkerung der angrenzenden Bundesländer stark. So werden deutliche Verbesserungen für den Tourismus und das nachbarschaftliche Verhältnis erwartet. Mit einer negativen Entwicklung wird hingegen bei der Kriminalität und am Arbeitsmarkt gerechnet. Wenig Auswirkungen werden auf den Lebensstandard insgesamt erwartet. Stefan Schaller von der Gesellschaft für Europapolitik weist darauf hin, dass die neue Umfrage ausschließlich in den angrenzenden Bundesländern durchgeführt wurde: "Durch die Grenznähe werden die Probleme und Vorteile greifbarer."

In den Bundesländern sind die Stimmungen zum EU-Beitritt der Nachbarländer äußerst unterschiedlich: So begrüßt eine klare Mehrheit der Steirer (74 %) den Beitritt Sloweniens. Auch eine überwältigende Mehrheit der Burgenländer freuen sich über die Aufnahme Ungarns (65 %). Das schwierigste Verhältnis zum neuen EU-Nachbarn haben die Oberösterreicher. Von ihnen begrüßen gerade 38 Prozent die Aufnahme der Tschechischen Republik.

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