Stararchitekt

Ein Pavillon von Shigeru Ban für das Centre Pompidou – und eine Hautcreme

Streben nach Einfachheit und Qualität verbinde ihn mit der Luxusmarke Sensai, sagt Stararchitekt Shigeru Ban.
Streben nach Einfachheit und Qualität verbinde ihn mit der Luxusmarke Sensai, sagt Stararchitekt Shigeru Ban.RVZ
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Der japanische Pritzker-Preisträger Shigeru Ban entwirft elegante, leichte Strukturen großen Ausmaßes – kann aber auch in kleinem Maßstab denken, wie seine neueste Kooperation beweist.

Als ihm 2014 der Pritzker-Preis zugedacht wurde, also die höchste Auszeichnung in der Architekturwelt, lobte die Jury den Japaner Shigeru Ban als einen herausragenden Vertreter mit sozialer Ader: „Seine Bauwerke bieten Obdach, sind Gemeinschaftszentren, spirituelle Orte für alle, deren Leben von Verlust und Zerstörung erschüttert wurde.“ Modulare, flexible, leicht zu transportierende Strukturen zählen zu Shigeru Bans Spezialitäten – eine Formensprache, die er auch für große Bauwerke wie das Centre Pompidou in Metz oder ein dem Mount Fuji gewidmetes Kulturzentrum deklinierte.

Die Kosmetikmarke Sensai beauftragte Ban mit der Gestaltung einer mobilen Struktur für ihre Produktvorstellung.
Die Kosmetikmarke Sensai beauftragte Ban mit der Gestaltung einer mobilen Struktur für ihre Produktvorstellung.Beigestellt.

Als einer der wichtigsten Architekten Japans bot sich Shigeru Ban als Ansprechspartner für die Luxuskosmetikmarke Sensai im Rahmen einer besonderen Initiative an: In diesem Jahr stellte man eine neue Formulierung der High-End-Produkte aus der eigenen „Ultimate“-Pflegelinie vor und wollte das eigene Savoir-faire mit den Höchstleistungen japanischer Handwerkskunst in Zusammenhang bringen. Die „Ultimate the Cream“ etwa gibt es für den besonseren Anlass nicht nur im Tiegel üblicher Dimensionen zu kaufen, sondern auch als XL-Version in einer streng limitierten Metalldose von Kaikado. Normalerweise wird in den Behältern der in Kyoto ansässigen Manufaktur Tee aufbewahrt – nun also eine Hautpflege mit Extrakten aus japanischer Koishimaru-Seide und zarten Kirschblüten, die als eine der kostspieligsten ihrer Art angepriesen werden.

Skulpturale Architektur mit großer Leichtigkeit: Das Centre Pompidou Metz wurde 2010 fertiggestellt.
Skulpturale Architektur mit großer Leichtigkeit: Das Centre Pompidou Metz wurde 2010 fertiggestellt. Jacqueline Trichard

Bauwerk Haut

„Sensai verarbeitet Seidenfasern zu Kosmetikprodukten, diese Nutzung hat mich überrascht“, sagt Ban zum „Schaufenster“. „Das hat mich an meinen Ansatz erinnert, Sperrholzprofile statt der üblichen Stahlrahmen zu verwenden, ich fand also, es gibt Gemeinsamkeiten.“ Darum habe er im Frühling 2022 auch den Auftrag angenommen, eine leicht zu transportierende Pavillonstruktur für Produktpräsentationen zu entwerfen. Ein weiterer Punkt, der ihn für den Auftrag einnahm, war das präzise Anforderungsprofil. „Dieser Kunde hatte sehr genaue Vorstellungen. Dazu gehörte es auch, dass ich mir eine Nachnutzung für die Struktur überlegen sollte. Je mehr Zwängen ich mich stellen muss, desto eher bin ich bereit, ein Projekt anzunehmen – so, als ob ich ein Puzzle zusammensetzen müsste.“

Den Pavillon für die Präsentation der überarbeiteten „Ultimate“-Linie von Sensai schuf Shigeru Ban, weil ihm die Markenwerte gefielen.
Den Pavillon für die Präsentation der überarbeiteten „Ultimate“-Linie von Sensai schuf Shigeru Ban, weil ihm die Markenwerte gefielen.Beigestellt

Die erwähnte weitere Nutzung des Pavillons sieht vor, dass die – übrigens überdachte („Es war nicht Teil des Briefs, aber meine Idee war, den Pop-up-Pavillon mit einem Dach zu versehen, auch wenn er für Innenräume gedacht war: Das gibt Besuchern ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit und Intimität“, so Ban) – mobile Struktur nach ihrer internationalen Tour dem Centre Pompidou in Paris für das Abhalten von pädagogischen Aktivitäten übergeben wird.

„Ultimate the Cream“ von Sensai gibt es auch als auf 500 Stück limitierte Edition aus der Metallschmiede Kaikado.
„Ultimate the Cream“ von Sensai gibt es auch als auf 500 Stück limitierte Edition aus der Metallschmiede Kaikado.Beigestellt.

An sich, hält Shigeru Ban fest, stünden sich die kosmetische Verschönerung und seine Auslegung von Architektur nicht besonders nahe: „In meiner Arbeit geht es nicht darum, Dekoration zu etwas hinzuzufügen, um es gut ausssehen zu lassen, oder radikale Formen zu finden, die den Blick auf sich ziehen. Wenn man es so sieht, ist meine Architektur nachgerade das Gegenteil eines ,kosmetischen‘ Konzepts.“ Mit der japanischen Marke zusammenzuarbeiten habe für ihn aber dennoch Sinn ergeben, räumt er ein. „Ich hatte das Gefühl, bei Sensai geht es auch darum, das Material, in dem Fall also die Haut, schön und gesund zu erhalten und eben nicht oberflächliche Schönheit zu erzielen. Und das wieder stimmt mit meinem Ansatz überein.“ Die Haut als schützende Körperhülle, ein Bauwerk, wie klein es auch sei, als Ort, an den man sich zurückziehen kann: Auch so finden Architektur und Kosmetik gedanklich zueinander. 

Compliance-Hinweis: Eine Reise zur Präsentation in Amsterdam erfolgte auf Einladung von Sensai.

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