Kommissionspräsident: Stoiber lehnte Posten ab

Schröder und Chirac hatten sich bereits auf Stoiber geeinigt. Das wird nun aus München bestätigt.

BERLIN/BRÜSSEL. Die Suche nach dem nächsten Präsidenten der Europäischen Kommission geht zwar zehn Tage vor dem EU-Gipfel in ihre Schlussphase, gewinnt aber nur langsam an Konturen. Praktisch jede Woche taucht ein neuer Kandidat auf. Nachdem vor ein paar Tagen EU-Außenpolitik-Chef Javier Solana zum Anwärter mit britisch-spanischer Unterstützung hochstilisiert wurde, gibt es seit dem Wochenende den ersten Ex-Kandidaten.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hatten sich Ende vergangenen Jahres Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac bereits auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt: den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Der CSU-Chef lehnte das Angebot jedoch im Februar ab. Die Münchner Staatskanzlei bestätigte am Montag gegenüber der "Presse" einen entsprechenden Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Focus". Zuvor schon hatte der Generalsekretär der CSU, Markus Söder, die Flucht nach vorne angetreten. Das Angebot sei eine "große Ehre" für Stoiber gewesen, sagte Söder. Doch der Ministerpräsident habe "nach kurzem Überlegen entschieden, dass seine Aufgabe in Deutschland, in Bayern und bei der CSU" liege.

Die Bundesregierung hält sich indes bedeckt: "Es gab und gibt keinen deutschen Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten", heißt es lediglich. Das Verwirrspiel ist nur schwer zu durchschauen. Denn zuletzt war lanciert worden, dass Deutschland den neu zu schaffenden Posten eines Wirtschafts-"Superkommissars" für sich reklamiere. Als Kandidat dafür steht der derzeitige Erweiterungskommissar Günter Verheugen so gut wie fest.

In München rätselt man inzwischen, wer das Offert durchsickern ließ. CSU-Generalsekretär Söder lenkte den Verdacht in Richtung Angela Merkel. Doch nicht nur die CDU-Chefin hat Interesse, den ehemaligen Kanzlerkandidaten der Union elegant auszubremsen. Denn in Bayern haben die möglichen Nachfolger Stoibers seit der Bundestagswahl nicht aufgehört, in den Startlöchern zu scharren. Es ist auffällig, dass Stoiber zuletzt für so ziemlich jeden Spitzenjob ins Spiel gebracht wurde: ob für das Amt des Bundespräsidenten, des künftigen Wirtschaftsminister oder eben für die vakante Top-Stelle in Brüssel.

Für Beobachter zeigt der einstige Vorstoß von Berlin und Paris, dass für beide Regierungen bereits fest steht, dass ein konservativer Politiker nächster Kommissionspräsident werden sollte.

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