Martin Schulz wurde einst von Berlusconi als ideale Besetzung eines NS-Kapo bezeichnet. Nun hat der Deutsche dafür gesorgt, dass Italien seinen Kommissionskandidaten zurückzieht.
Brüssel/WIEN. Die beiden mochten sich noch nie. Als sich Silvio Berlusconi einst als EU-Ratsvorsitzender den kritischen Fragen der EU-Abgeordneten stellen musste, da fiel ihm der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz unangenehm auf. Auf dessen kritische Frage replizierte der italienische Regierungschef mit geschmackloser Ironie, er könne sich den Deutschen gut als "Kapo" in einer Verfilmung aus der NS-Zeit vorstellen. Schulz schlug später zurück und bezeichnete die italienische Regierung als "rassistisch".
Nun sind die beiden erneut aneinander geraten. Denn es war prompt Martin Schulz, der als politischer Anführer gegen den italienischen Kommissionskandidaten ins Feld zog. Der mittlerweile zum Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Sozialdemokraten aufgestiegene Politiker forderte vehement und unnachgiebig ein anders Aufgabengebiet für Rocco Buttiglione. "Meine Fraktion verlangt eine Neuverteilung der Zuständigkeiten in der Kommission", wiederholte er immer wieder.
Schulz siegte. Er brachte Berlusconi sogar so weit, Buttiglione einen freiwilligen Verzicht auf das Brüsseler Amt zu empfehlen. Es war wohl auch ein persönlicher Sieg des Deutschen, obwohl er öffentlich jeden Revancheakt dementierte. Das sei "abwegig."