Gastkommentar

Seien Sie freundlich zu Ihrem Zusteller

Die Paketdienstleister waren zuletzt wiederholt – großteils zu Unrecht – medialen Vorwürfen ausgesetzt.

Vom Ladekabel fürs Handy bis zum Hundefutter, von den Wintersocken bis zur Gartenkralle – ohne Paketdienste läuft schon lang nichts mehr. Der jüngst veröffentlichte Jahresbericht der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) zeigt das mehr als deutlich. Nach enormen Mengenzuwächsen während der Pandemie wird auch für das vergangene Jahr ein Plus der Paketmengen verbucht. 2022 wurden 355,3 Millionen Pakete befördert, was im Vergleich zu 2021 einen neuerlichen Zuwachs von 4,7 Prozent bedeutet.

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Ein wesentliches Segment der Branche sind zwar immer noch B2B-Bestellungen (etwa Werkzeug für Handwerksbetriebe, Ersatzteile etc.), aber die breite Bevölkerung ist vor allem mit Zustellern und den oben be­schriebenen Sendungen vertraut.

Wir kennen die Herausforderungen, die im Alltag mit Paketzustellungen entstehen: gelbe Zettel, Pakete beim Nachbarn oder in einer Abholstation, umständliche Rücksendungen etc. Das liegt auch daran, dass wir Konsumenten sehr anspruchsvoll geworden sind. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass alle Waren der ganzen Welt binnen weniger Tage in unserer Wohnung stehen (gern auch im vierten Stock ohne Lift). Der Aufwand, der hinter diesen logistischen Meisterleistungen steht, wird allerdings oft nicht wahrgenommen. Als Teil der kritischen Infrastruktur und Erbringer von hoher Wertschöpfung hätten diese Wertschätzung die Unternehmen, ihre Partner und Mitarbeiter freilich verdient.

Die Menschen – allein in Österreich geht es hierbei um Zigtausende Arbeitsplätze – bringen Pakete bei Schnee und Regen ebenso wie in der Sommerhitze zu den Haushalten. Die führenden Unternehmen der Branche bemühen sich redlich, all den an sie gestellten Ansprüchen gerecht zu werden.

Dafür ist es allerdings auch ein Gebot der Stunde, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dazu zählt etwa die Aufnahme des Paketzustellers in die Mangelberufsliste. Ebenso eine Qualitätsoffensive, die mit Zertifizierungsmaßnahmen und der Forcierung des KT- (Kleintransporteure-)Gütesiegels einhergeht.

Es ist Teil des Geschäfts

Die Paketdienstleister waren in jüngster Zeit wiederholt – zum großen Teil ungerechtfertigten – medialen Vorwürfen ausgesetzt. Vor allem der Einsatz von selbstständigen Unternehmern als Transportpartnern stößt auf Kritik. Dabei ist diese Vorgangsweise auch in vielen anderen Branchen üblich. Bei den Paketdiensten ist es aufgrund der Schwankungen des Sendungsaufkommens sinnvoll und ermöglicht die schnelle und vor allem kostengünstige Zustellung.

Auch die Kritik, dass Verträge zwischen Unternehmen hart verhandelt werden, erschließt sich mir als ehemaligem Geschäftsführer einer Zahnradfabrik nicht. Es ist Teil des Geschäftslebens. Und gerade in der Paketdienstbranche haben Unternehmen ohnehin Schwierigkeiten, zuverlässige Dienstleister zu finden. Daher sind Vorwürfe der einseitigen Druckausübung unglaubwürdig.

Ähnlich seltsam sind Vorwürfe, wonach die Branche absichtliche Konkurse herbeiführe und von diesen sogar profitiere. Natürlich gibt es auch unter den Subunternehmern schwarze Schafe, aber aus Sicht der Paketdienstleister führen im Fall des Konkurses von Subunternehmern notwendige erneute Vertragsverhandlungen, -gestaltungen und Einschulungen zu höheren Kosten.

Als Wissenschaftler, der seit vielen Jahren die Branche analysiert, sehe ich ein ehrliches Bemühen um hohe Standards und das Erfüllen höchster Ansprüche. Denken Sie daran, wenn sie das nächste Mal ein Paket erwarten, und seien Sie vor allem freundlich zu den Zustellern/Zustellerinnen.

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Kummer (*1963) ist seit 2001 Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft/Logistik an der WU.

E-Mails: debatte@diepresse.com

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