EU-Jobs: Verhofstadt Favorit für Prodi-Nachfolge

Der belgische Premier wird derzeit als chancenreichster Kandidat gehandelt. Doch auch Patten, Cox und Schüssel bleiben im Spiel.

Brüssel/WIEN. Bei der Suche nach einem neuen Kommissionspräsidenten wird in EU-Kreisen immer öfter der belgische Regierungschef Guy Verhofstadt genannt. Laut einem Bericht in der Tageszeitung "The Independent" hat der britische Premier Tony Blair seinen Widerstand gegen den äußerst integrationsfreundlichen Liberalen aufgegeben. Blair hätte lieber einen anderen Liberalen, den dänischen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen, als Nachfolger von Romano Prodi gesehen. Rasmussen gilt als Verfechter nationaler Kompetenzen.

Verhofstadt wird, wie es aus diplomatischen Kreisen in Brüssel heißt, mittlerweile von zahlreichen Ländern unterstützt. Probleme gebe es noch mit Frankreich und bei der konservativen Fraktion. Die Europäische Volkspartei (EVP), die bei den anstehenden Europawahlen erneut stärkste Kraft im Europaparlament werden dürfte, verlangt nach einem Kommissionspräsidenten aus ihren Reihen. Aussichtsreichster Kandidat ist dabei der britische EU-Kommissar Chris Patten. Der moderate Tory-Politiker dürfte auch für Tony Blair akzeptabel sein. Doch seine Bestellung würde dem ungeschriebenen Gesetz widersprechen, dass auf einen Kommissionspräsidenten aus einem großen Land (Italien) wieder einer aus einem kleinen Land folgt.

Die irische Regierung, die derzeit den EU-Vorsitz inne hat, führt Patten auch auf ihrer internen Liste von sechs aussichtsreichen Kandidaten. Neben Verhofstadt und Rasmussen finden sich darauf auch der portugiesische EU-Kommissar Antonio Vitorino, der finnische Ex-Premier Paavo Lipponen und der scheidende Präsident des Europaparlaments Pat Cox. Können sich die Konservativen nicht mit der Nominierung von Chris Patten durchsetzen, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit erneut den österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ins Spiel bringen. EVP-Chef Hans-Gert Pöttering wirbt schon jetzt aktiv für Schüssel, den er für einen "geeigneten" Kandidaten hält. Die EVP-Führung will demnächst einen neuen europaweiten Vorstoß für den österreichischen Parteifreund unternehmen.

Da Schüssel vor allem in Paris auf geteilte Freude stößt, bleibt auch der österreichische EU-Kommissar Franz Fischler im Spiel. Auch er wird in konservativen Kreisen gewürdigt: "Fischler bringt eigentlich alle Voraussetzungen mit: Er kommt aus dem richtigen Lager, aus einem kleinen Land, ist völlig unbestechlich und kennt sich in Brüssel aus."

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