A
uf jedem Misthaufen wird Theater gespielt! Den Satz hört man noch immer. Angebracht ist er schon lang nicht mehr. Die 18 Spielorte des NÖ-Theatersommers locken jährlich 236.460 Besucher. 2003 gab es einen neuen Rekord.
Was treibt die Menschen nach einer üppigen Saison in Wien, nach Festwochen und Donaufestival hinaus zu den Bühnen, wo es doch gerade im Sommer so viele andere Angebote für Erholung, Freizeit gibt? Ganz einfach: Nicht wenige gehen überhaupt nur im Sommer ins Theater - weil es unkomplizierter, billiger, gemütlicher ist als in Wien. Nicht nur Burg oder Josefstadt haben ihre Stammkunden, "Gemeinden", auch Gars, Baden oder Maria Enzersdorf.
Der enorme Erfolg der Festspiele Reichenau wirkte ermutigend. Man kann was machen aus dem Sommertheater, wenn man was draus machen kann! Und die Politiker kommen auch lieber zu attraktiven Veranstaltungen; namentlich VP-Vertreter zeigen sich gern im niederösterreichischen Theatersommer. Repräsentation hat hier einen festen, erdigen Platz. Sommertheater ist eine bürgerliche Bastion, wenn auch der Begriff weiter gespannt ist als früher. "Im Theater ist Poesie, Malerei, Gesang, Musik, Schauspielkunst und was nicht noch alles. Wenn all diese Künste auf bedeutender Stufe zusammen wirken, so gibt es ein Fest", sagt Goethe. Folgt der NÖ-Theatersommer diesem in seinem Programmheft abgedruckten Zitat wirklich?
Nun: Es gibt weniger verstaubte Aufführungen. Schauspiel, Oper, Operette sind besser geworden. An vielen Orten treten Publikumslieblinge auf, die sich bekanntlich nicht allzu sehr anstrengen müssen, um beklatscht zu werden. Aber um den "Star" herum herrscht oft Ebbe.
A
rt Carnuntum ist leider das einzige Festival geblieben, das internatio nale Gastspiele zeigt. Shakespeare auf der Rosenburg hat mit Alexander Waechter einen vielfach erfahrenen Theatermann als Intendanten gewonnen. Schon seit drei Jahren bewährt sich die neue Programmlinie in Perchtoldsdorf. Ähnliches gilt für Melk, das sich heuer gar an Umberto Ecos "Der Name der Rose" versucht. Die "Hetz" scheint im Sommertheater etwas auf dem Rückzug, es gibt auch viel weniger Nestroy. Dafür haben sich die Raimund-Spiele in Gutenstein gut etabliert.
Was sollte man verbessern? Das Niveau lässt mancherorts noch immer zu wünschen übrig - und auch die Koordination. Wozu gibt's einen NÖ-Theaterfest-Verein, wenn so viele Premieren gleichzeitig stattfinden?
barbara.petsch@diepresse.com