FP-Führungsdebatte: Strache: "Haider ist der beste Spieler"

Wiens FP-Chef Strache lässt nicht locker: Nach dem EU-Wahl-Debakel für die FPÖ müsse Jörg Haider die Partei als Sisyphus neu aufbauen.

WIEN. Satte minus 21 Prozent in Simmering. Ebendort, im elften Bezirk, einer traditionell "roten" Hochburg, fuhren die Freiheitlichen bei der EU-Wahl am Sonntag Wien-weit die schwersten Verluste ein. Das Minus von 9,9 Prozent in der Josefstadt (8. Bezirk) war im Bezirksvergleich noch das am wenigsten schmerzhafte Abschneiden aus Sicht der FPÖ. Die Antwort von Wiens FP-Chef Heinz Christian Strache: Jörg Haider müsse die selbst angekündigte Sisyphus-Arbeit nun endlich aufnehmen - und möglichst rasch wieder Nummer eins innerhalb der Partei werden.

Strache über die Rolle, die der Kärntner Landeshauptmann künftig spielen soll: "Er ist der beste Spieler am Feld. Er darf nicht in der Landesliga spielen. Er muss in der Bundesliga spielen."

Das österreichweite Abschneiden der Freiheitlichen - die FPÖ fuhr einen historischen 17-Prozent Verlust ein und landete nur an fünfter Stelle - wertet Strache als "Existenzfrage für die gesamte Bundespartei". Weiter: "Die Partei muss bei sich selbst die Fehler suchen. Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir brauchen nun einen Prozess der Selbstfindung."

Einen Hauptfehler will der Landeschef bereits geortet haben: Gerade beim Thema "Privilegien" bzw. "Privilegienritter", einem freiheitlichen "Leib- und Magen-Thema", habe man versagt.

Hans Kronberger, der EU-Spitzenkandidat der FPÖ, habe es nicht verstanden, "dieses wichtige Thema an sich zu reißen - das hat die Menschen geärgert."

Über Haider: "Er hat sich selbst zum Sisyphus der Partei erklärt. Übernimmt er diese Rolle? Wird er den Stein auf den Berg rollen?"

Auch müsse nun geklärt werden, wer Haider dabei zur Seite stehen könnte ("Ich sehe viele Persönlichkeiten in den Ländern"). Er selber wolle jedenfalls in der Wiener Landespartei bleiben. Noch am Sonntag hatte Andreas Mölzer, der ins EU-Parlament einziehen wird, auch Strache als einen möglichen Erneuerer der FPÖ auf Bundesebene genannt.

Die Bundespartei müsse, laut Strache, nun eine Anleihe bei Ski-Star Hermann Maier nehmen. Damit spielt der Landesparteiobmann auf das hart erarbeitete Comeback des Sportlers an. Denn: "Derzeit ist die Glaubwürdigkeit beim Wähler einfach nicht mehr da."

Indessen geizten die Wiener Sozialdemokraten nicht mit Attacken auf die Wahlverlierer: Noch am Sonntag hatte - wie berichtet - Bürgermeister Michael Häupl an Straches Adresse gemeint: "Gengan S' z'Haus." Dazu am Montag Strache: "Ich kann dem Häupl nur ausrichten, dass das keine Wien-Wahl war. Für die Rekordarbeitslosigkeit in Wien trägt der Bürgermeister die Verantwortung. Er hat schließlich die absolute Mehrheit."

Der Landesparteisekretär der Wiener Sozialdemokraten, Harry Kopietz, sagte: "Herr Strache, wenn Sie tatsächlich eine Neugründung der Partei anstreben, bitte bleiben Sie in Amt und Würden. Wie dieser Wahltag einmal mehr gezeigt hat, können Sie Ihren politischen Mitbewerbern gar keinen besseren Dienst erweisen."

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.