Meinung: Saisonschluss

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erien, auch für die Theater. Was ge lang und was misslang, lassen wir das einmal beiseite - und wenden wir uns jenen zu, die das Salz, das Zentrum der Bühnenkunst sind, die Schauspieler. Sie schwärmen nun aus ins Sommertheater, können offenbar nicht genug kriegen vom Spielen - und ihr Publikum auch nicht wie die stattlichen Besucherzahlen der Sommerspiele, -Festivals beweisen.

"Lasst mich den Löwen auch noch spielen!", bittet Zettel, der Weber, in Shakespeares "Sommernachtstraum". Ein geflügeltes Wort über den Ehrgeiz der Mimen. Aber bevor so ein Hamlet oder Titus Feuerfuchs geboren wird - was gibt es da nicht zu raunzen über die schrecklichen Schwierigkeiten mit der Rolle! "Dont think, act", befahl einst Otto Preminger seinen Spielern.

Doch genau dieses Acting ist schwieriger geworden. Deklamieren ist out, dennoch soll auch der Zuschauer auf der Galerie den Text verstehen. Theater-Schauspieler können sich heute nicht mehr damit begnügen zu spielen. Von Regisseuren gedrillt, müssen sie selbst nach der 50. Dispositions-Änderung noch wissen, wo und wann sie auftreten müssen. Rollen-adäquate Besetzungen, dem Film folgend, werden üblicher, sein lautet die Devise, nicht agieren, vorgeben.

Komplizierte Bühnenbilder, schnellere Wechsel, der rasanten Schnitt-Technik des Films notgedrungen immer hinterher hinkend, Technik, Mikroports gefährden die Ausstrahlung, töten jede Spontaneität. Tanzen, Singen, Akrobatik sind integrierender Bestandteil vieler Inszenierungen.

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rotz aller Technik steht der Mime letztlich allein da. Vielleicht erfreut sich auch darum das Sommertheater einiger Beliebtheit bei Künstlern, weil es dort doch meist etwas freundlicher und entspannter zugeht, der Publikumsliebling noch sein darf, was er am liebsten ist: Er selbst. Auf eines aber dürfen sich die Mimen in der Stadt wie auf dem Land draußen immer verlassen: Sie sind die wahren Könige des Theaters.

barbara.petsch@diepresse.com

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