Linke Emanzen und andere Schuldige

N
ationalratswahl im Jahr 2006. Die SPÖ hat verloren. Alfred Gusen bauer (oder wer auch immer dann der Kanzlerkandidat der SPÖ ist) erklärt gegenüber dem "Standard": "Ein knappes Ergebnis. Ich bin sehr gespannt auf die Wahlanalysen, aber ich denke, eines kann man schon jetzt sagen: Die reaktionären Aristos haben unseren Erfolg verhindert." Gusenbauer ist verstimmt. Dabei hat er im Wahlkampf sogar die Kapuzinergruft besucht!

Anderes Szenario. Die SPÖ hat es geschafft. Sie ist stärkste Partei. Wolfgang Schüssel tritt vor die Mikrophone: "Hätten die linken Gutmenschen sich nicht so uneinsichtig gezeigt - das Ergebnis sähe jetzt wohl anders aus."

Nein, man muss nicht von der "Frauenseite" her argumentieren, wenn man Benita Ferrero-Waldners Sager, die "linken Emanzen" hätten ihr geschadet, für unangemessen hält. Wähler zu beschimpfen, nur weil sie ihre Interessen beim Gegenkandidaten oder der Gegenpartei besser aufgehoben sehen, das gehört schlicht und einfach nicht zum guten Ton. Außerdem: Wenn ein Politiker davon enttäuscht ist, dass die Linken den Linken unterstützen oder die Rechten den Rechten, klingt das ein bisschen naiv - oder?

Man muss also nicht von der Frauenseite her argumentieren. Aber wenn man will, kann man das natürlich auch. Man kann sagen, dass emanzipierte Frauen nun im Nachhinein bestätigt wurden, wenn sie Ferrero-Waldner mangelnde Glaubwürdigkeit unterstellt haben. Und: Frauensolidarität ist nicht etwas, was man als Politikerin einfach einfordern kann. Die muss man sich verdienen. Frau zu sein genügt nicht.

E
s wird allerdings bald auch nicht mehr genügen, Mann zu sein! Selbst dann nicht, wenn man vollmundig alles fordert, was auf der feministischen Wunschliste steht. So wie Ferrero-Waldner wird auch die SPÖ über kurz oder lang ein Problem haben mit ihrer Glaubwürdigkeit. Die SPÖ wird sich fragen lassen müssen, warum man starke Politikerinnen in diesem Land weniger in ihren Reihen denn an der Spitze der ÖVP findet - und sie wäre darum gut beraten, sich vor der nächsten Wahl genau zu überlegen, wie sie im Fall des Falles die Ministerien besetzen will. Wir haben uns an weibliche Gesichter in der Regierung gewöhnt! Wir Frauen lassen uns nicht mehr von reinen Männerrunden abspeisen!

Und eines kann ich jetzt schon sagen: Nur eine Frauenministerin - das gilt einfach nicht mehr.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

Frau zu sein genügt nicht.

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