Meinung: Schlechte Theater darf man schließen

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ulturstadtrat Mailath-Pokorny hat für die Auswahl der neuen Thea ter-Subventionsverträge von 2005 bis 2009 eine achtbare Jury gefunden, darunter die frühere Bondy-Mitarbeiterin und jetzige Festival-Leiterin Veronica Kaup-Hasler, Kritikerin Karin Kathrein oder Theaterwissenschaftler Wolfgang Greisenegger.

So müssen fähige Szene-Prinzipale nicht fürchten, bald arbeitslos zu sein. Gut. Doch was hört man aus dem Stadtrats-Büro? Die Jury amtiert nur bis Herbst, dann kommt eine Kommission für die neuen, zahlreicher geplanten Projekt-Förderungen. Die Kulturpolitiker schieben offenbar zwischen sich und die Entscheidungen ständig irgendwelche Instanzen. Das war zwar schon bisher so, aber nicht so gravierend, weil Budgets, Förderungen fortgeschrieben wurden.

Jetzt aber ist sehr viel Geld im Spiel, für Mozartjahr, Ronacher-Umbau, Musical, Oper im Theater an der Wien, während die Szene um ihre Existenz bangt.

Da gehören jetzt schon jene vor den Vorhang, die verantwortlich sind und sein werden: Stadtrat, Finanzstadtrat und Bürgermeister. Konzepte, Gremien ok, aber: Papier ist geduldig; grau, teurer Freund, ist alle Theorie. Wie auch immer: Laut Stadtrats-Büro haben 43 Wiener Theater Drei-Jahres-Subventionsverträge. Insgesamt gibt es um die 100 Spielstätten. Vom Budget für die darstellende Kunst - mit stattlichen 55 Millionen Euro traditionell der weitaus größte Brocken im Stadt-Kulturbudget - entfallen 19 Millionen Euro auf die Szene. Es geht also nicht um Bagatellen. Darum wollen wir festgehalten haben: Verantwortlich für alles das, was da jetzt so alles passiert bzw. passieren wird, sind die Politiker. Die Sozialdemokraten haben einen Paradigmen-Wechsel vollzogen: statt die Kleinen und Schwachen zu unterstützen, gibt es jetzt jede Menge Geld für Spektakel-Kultur. Soll man trotzdem schlechten Theatermachern das Budget entziehen? Ehrlich gesagt: Ja.

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