Meinung: Niemandsland Künstlerhaus

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eliebt, aber schwer in der Krise", "Künstlerhaus braucht Geld", das sind nur einige der regelmäßig wiederkehrenden Schlagzeilen über das Künstlerhaus. Im Herbst 2003 war es dann ganz aus: Erst zog sich der Bund nach der Vollendung des Museumsquartiers aus dem Künstlerhaus zurück - wo das Kunsthistorische Museum über Jahre attraktive kulturhistorische Ausstellungen gezeigt hatte. Die Stadt Wien stockte zwar ihre Subvention auf, doch das reichte nicht. Das Künstlerhaus schloss.

Zuletzt regnete es gar noch durchs Dach. Dennoch: Oh Wunder! Jetzt ist das Künstlerhaus wieder offen. Woher diese rasche Genesung? Es ist keine. Keines der Probleme des Künstlerhauses ist gelöst. Man wurschtelt einfach weiter.

Das Künstlerhaus muss renoviert werden. Wie teuer? Wird gerade erforscht. Wer zahlt? Stadt Wien, Bund und Private. Bundes-Zusage? Gibt es nicht. Welche Privaten? Wird nicht verraten.

"Niemandsland" heißt die jetzige Ausstellung. Auch das Künstlerhaus sei "zum Teil im Niemandsland", erklärte Präsident Manfred Nehrer Dienstag bei der Eröffnung. Das ist Unsinn. Das Künstlerhaus liegt am Rande der City. Und es ist umringt von Institutionen, die ihre Angelegenheiten souverän geregelt haben: Konzerthaus und Musikverein strahlen in neuem Glanz; das Wien-Museum hat mit Wolfgang Kos einen klugen Direktor bekommen; die Secession floriert - und sogar die kleine, ehemals heftig bekämpfte Kunsthalle Karlsplatz lebt weiter als "Project Space". Nur nebenbei: Die Secession, einst gegründet in Opposition zum Künstlerhaus, hat sich mit einer ähnlichen Struktur, Selbstverwaltung durch die Künstler, zum Schmuckkästchen entwickelt, gepusht von tüchtigen Managern (wie früher Edelbert Köb).

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olgende Diagnose drängt sich auf: Dem Künstlerhausverein liegt of fensichtlich das "Njet" bei Vorschlägen, Ideen jeder Art näher als das freudige "Yes". Präsident Nehrer ist ein Schöngeist, der Künstlerhaus-Geschäftsführer Peter Bogner ein Schönredner, eine mutige Organisation, wie sie ein Ausstellungshaus faktisch im Zentrum einer Weltstadt braucht, fehlt. So dürfte es keinen verwundern, wenn sich die Künstlerhaus-Misere weiter hinzieht.

Zyniker dürfen unterdessen Wetten abschließen, mit welcher Panne das Künstlerhaus als Nächstes die Öffentlichkeit belästigen wird. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Wasserrohrbruch? Nur eines ist sicher. Die nächste Schlagzeile lautet ganz bestimmt: "Beliebt, aber schwer in der Krise", "Künstlerhaus braucht Geld . . ."

barbara.petsch@diepresse.com

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