I
m Jänner 2004 wurde Josefstadt-Di rektor Hans Gratzer (mit Saisonende) seines Amtes enthoben. Sein Nachfolger wird der frühere Josefstadt-Chef Helmuth Lohner, vorerst für zwei Jahre. Nur: Damit ist keines der Probleme des Theaters gelöst.
Es bleiben viele Fragen. Beispiele gefällig? Nach dem Vorbild des Volkstheaters und anderer Kulturinstitutionen soll die Josefstadt in eine Stiftung umgewandelt werden. Hier spießt sich einiges, wie man hört: Die Josefstadt-Gesellschafter fordern eine Subventions-Garantie bis 2011. Die Subventionsgeber, Bund und Stadt, zögern: weil sie so langfristige Zusagen nicht abgeben, weil sie im Stiftungsvorstand vertreten sein wollen und weil es sie stört, dass aus öffentlichen Geldern für ein "Privattheater" Pensionen bezahlt werden.
Diese sollen sich in der Höhe von etlichen Millionen Schilling bewegen, zu zahlen an die früheren künstlerischen Direktoren Otto Schenk und Helmuth Lohner, ferner an den früheren kaufmännischen Direktor und ehemaligen Bundestheater-Generalsekretär Robert Jungbluth sowie an den jetzigen kaufmännischen Direktor Alexander Götz. Jungbluth, Lohner, Götz sind auch Josefstadt-Gesellschafter. Schenk ist ein Kassenschlager des mit einem Sanierungspaket belasteten Theaters, Lohner wäre es, falls er wieder spielt. Kein Wunder, dass bei dieser Schachpartie nix weitergeht mit der Stiftungs-Etablierung. Sieht mehr nach Patt aus.
Gratzer amtiert und schweigt, klar, er muss zwar gehen, darf aber weiter inszenieren. Doch wie komplett wird sich der neue, alte Josefstadt-Chef Lohner für das Haus einsetzen können, wenn er mit anderen Verpflichtungen belastet ist, die er einging, weil er ja nicht wusste, dass er die Josefstadt retten muss. So startet ein neues Programm "Lacherfolge" mit Lohner/Schenk, in Zürich inszeniert Lohner Richard Heubergers "Opernball".
U
nd was ist nach Lohner? Längst hätte man mit Luc Bondy reden können, der sich, wie er jüngst der "Presse" erklärte, als Protektor für die Josefstadt interessiert, bestimmt keine Knochenarbeit leisten wird, aber Ideen und internationale Kontakte einbringen könnte. Claus Peymann (hat eine Lobby), Heribert Sasse oder Anna Badora (bis 2006 Intendantin in Düsseldorf und bereits beim Volkstheater im Gespräch)? Es gibt viele Möglichkeiten.
Nur eines geht sicher nicht: Neuerlich ausschreiben. Dabei ist zuletzt zu viel schief gelaufen. Insgesamt lautet offenbar die Devise: Nicht bewegen. Man lässt den Pallawatsch Pallawatsch sein, bis er wieder explodiert - wie das in der Vergangenheit so oft der Fall war.
barbara.petsch@diepresse.com